< vorhergehender Beitrag

Ist Omnipräsenz im Netz eine „soziale Kompetenz“?

Nachgefragt bei Ao. Univ.-Prof. Dr. Catharina Chiari, MSc, Fachärztin für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, Sportorthopädie, Leiterin des Kinderorthopädie Teams, Medizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Orthopädie


Ao. Univ.-Prof. Dr. Catharina Chiari, MSc, Fachärztin für Orthopädie und orthopädische Chirurgie. FOTO: Martin Hesz

Wie wichtig ist soziale Kompetenz in Ihrem Beruf?
Heinrich Wottawa hat in seiner Beurteilung von Hermann Knaus völlig richtig darauf hingewiesen, dass soziale Kompetenz wichtig für das berufliche Fortkommen ist. Wer sich ausschließlich auf sein fachliches Können verlässt, hat es ungleich schwerer und erreicht sein Ziel viel später. Ich habe sogar Fälle gesehen, in denen die Missachtung sozialer Umgangsformen eine Karriere zerstört hat.

Gilt heutzutage nicht oft Präsenz vor Kompetenz?
Zur Zeit von Knaus bedeutete „soziale Kompetenz“ scheinbar etwas anderes als heute: Achtung, Diplomatie und Geschick im Umgang mit Menschen. Im Zeitalter von Facebook, Twitter oder Docfinder geht es dagegen um Präsenz! Es scheint wichtig, sich ständig in den sozialen Netzwerken und per Homepage zu zeigen, sichtbar zu sein, sich zu äußern und immer wieder erwähnt zu werden! Likes und Empfehlungen sind das Ziel, denn sie bringen Aufmerksamkeit – das kann für die Besetzung einer interessanten Position genauso nützlich sein wie für die Gewinnung neuer Patienten. Ich selbst bin da allerdings skeptisch und sehe meinen Platz zwischen der extrem konservativen Einstellung „Werbung für einen Arzt ist unerwünscht und unethisch“ und der Internet-Begeisterung der jungen Kollegen.

Wie wichtig sind persönliche Beziehungen für das berufliche Fortkommen?
Als Arztkind war mein soziales Netzwerk zumindest am Anfang meiner beruflichen Tätigkeit weitgehend durch den Freundes- und Kollegenkreis der Eltern geprägt. Dadurch öffnen sich Türen, man kommt an Informationen und Chancen ergeben sich. Doch jetzt kommt das große „Aber“: Geschenkt wird einem trotzdem nichts! So wie Facebook keine soziale Kompetenz überflüssig macht, so erspart man sich als „Tochter von“ oder „Enkelin von“ keine harte Arbeit. Erst muss man zeigen, dass man engagiert und fleißig ist und Leistung erbringt. In meinem Fall war es ein interdisziplinäres EU-Projekt mit Arbeitsgruppen aus Italien, Großbritannien und der Schweiz, in das ich aufgenommen wurde; es hat mich viel Zeit gekostet, mir aber auch interessante Möglichkeiten und Erfahrungen sowie im Jahr 2007 die schmeichelhafte Auszeichnung „Researcher of the Month“ eingebracht. Mit anderen Worten: Ich bin zwar durch ein „ererbtes“ soziales Netzwerk hineingekommen, aber die medizinische und organisatorische Leistung sowie den Aufbau neuer Kontakte habe ich mir schon selbst zuzuschreiben.

Sinkt die Bedeutung von Kongressen zum persönlich-fachlichen Austausch?
Genau wie Hermann Knaus bin ich ein fleißiger Kongressbesucher. Der Austausch mit Kollegen aus aller Welt bereichert mich und die Präsentation von Ergebnissen meiner Arbeitsgruppe für Kinderorthopädie gibt mir die Möglichkeit zur eigenen Reflexion und zur Diskussion mit anderen. Ganz im Gegensatz zu dem, was ich vorhin über Facebook und Co. in Hinblick auf soziales Netzwerken gesagt habe, sehe ich unter jüngeren Kollegen eine abnehmende Begeisterung für Kongressteilnahmen. Die Mühen der Reise, das „verlorene“ Wochenende und der Verlust an Freizeit machen Kongresse weniger populär. Ich verstehe und erlebe selbst, wie kostbar Zeit mit der Familie ist. Zugleich bieten mir solche Treffen aber auch die Möglichkeit für internationale Vernetzungen, die menschlich und wissenschaftlich so wichtig sind.

Welchen Stellenwert hat politisches Engagement?
Zu sozialen Kompetenzen zähle ich auch die Investition von Zeit in berufspolitischen, standespolitischen und – wie in meinem Fall – frauenpolitischen Vereinigungen. So bin ich Schriftführerin im Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Orthopädie, habe vor ein paar Jahren gemeinsam mit deutschen Kolleginnen ein Orthopädinnen-Netzwerk gegründet, halte Vorträge im Bereich der Gendermedizin und bin auch in das Mentoringprogramm der MeduniWien eingebunden.


Chefarzt/Chefärztin Abteilung Innere Medizin

Zentralkrankenhaus Bozen; CH-39100 Bozen [zur Ausschreibung]

___________________________________

Arzt/Facharzt für Arbeitsmedizin in Leitungsfunktion (m/w)

BMW Group; 4400 Steyr
[zur Ausschreibung]

___________________________________

Fachärztin/-arzt für Radiologie

Barmherzige Schwestern Krankenhaus Ried, 4910 Ried im Innkreis
[zur Ausschreibung]

___________________________________

FA für Kinder- u. Jugendpsychiatrie und psychotherapeutische Medizin

PSN - Psychosoziales Netzwerk; 8940 Liezen
[zur Ausschreibung]

___________________________________

Kooperationspartner