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Jammern auf hohem Niveau

Die besten Tipps, wie Sie in Gesundheitseinrichtungen den Teufelskreis des „gewohnheitsmäßigen Nörglertums“ durchbrechen können und den Weg der „verwöhnten Organisation“ wieder verlassen.


© iStockPhoto

Unter den Mitarbeitern herrscht ein unzufriedener Grundton. Ergebnisse werden kleingeredet. Erfolge werden augenrollend kommentiert und schlechte Nachrichten am einfachsten gleich ignoriert. Die Experten des Wiener Unternehmens „Die Umsetzer“ nennen diese Entwicklung „verwöhnte Organisation“. Als besonders verwöhnt stellen sich Spitäler oder Gesundheitsrichtungen für Mag. Matthias Prammer, Geschäftsführer von Die Umsetzer, aber nicht dar: „Es gibt zwei wesentliche Eigenschaften, die dem entgegenwirken und bei Spitälern gegeben sind: Es gibt eine wirkliche Aufgabe für die Organisation und jedem Mitarbeiter ist klar, was für ihn in diesem System zu tun ist.“

Das war schon immer so …

Das heißt aber noch lange nicht, dass nicht auch im Spital immer wieder Tendenzen spürbar sind, sich verwöhnt zu benehmen. Führungskräfte können diese Entwicklung leicht durchschauen, weiß der Berater: „Wenn der Fokus der Belegschaft oder des Teams einer Abteilung immer wieder auf den Themen liegt, die nicht zu beeinflussen sind, dann wird schon sehr viel Zeit mit Nörgelei verbracht. Oft wird ausführlich besprochen und der eigene Beitrag zur Istsituation wird kleingeredet.“ Viel Zeit wird auch auf die so genannte „Problemtrance“ gelegt – wer ist Schuld und wie kam es dazu, steht im Mittelpunkt, ohne den Fokus darauf zu richten, wie Lösungen für die Zukunft zu finden sind. Für bestimmte Mitarbeiter bietet genau dieser Rahmen einen echten Wohlfühlfaktor. Wer eine gewisse soziale Bequemlichkeit mitbringt, der ist in einer verwöhnten Organisation gut aufgehoben. Und im Dramadreieck von Täter – Opfer – Retter neigt die verwöhnte Organisation dazu, viele Opfer zu produzieren – frei nach dem Motto: „geteiltes Leid ist halbes Leid“. Oft ist gerade das mittlere Management Vorreiter in Sachen gemeinsamer Problembewältigung. Doch genau an diesem Punkt ist es Aufgabe der Führungskräfte, gezielt Impulse zur Entwöhnung zu setzen. Nur wenn in der Organisation auch klare Zeichen gesetzt werden kommt die Botschaft an. Hier ändert sich etwas.

Selbsttest für Führungskräfte

Mit diesem – angesichts der Ressourcendiskussion im Gesundheitswesen – durchaus provokanten Ansatz möchten die Umsetzungsexperten helfen, den Teufelskreis des „gewohnheitsmäßigen Nörglertums“ zu durchbrechen. In einem kurzen Selbsttest zeigt sich, wie schnell die Falle der verwöhnten Organisation zuschnappen kann und welche Auswege es dafür gibt:

  • In Meetings geht viel Zeit für Jammerei über nicht beeinflussbare Rahmenbedingungen verloren.
  • Immer weniger Mitarbeiter sind bereit, für das Unternehmen aus ihrer Komfortzone zu gehen.
  • Unter den Mitarbeitern wird der eigene Beitrag zur Istsituation mit ihren Problemen kleingeredet. 

Können diese drei Aussagen mit „Ja“ beantwortet werden, dann hält die verwöhnte Organisation bereits Einzug in Ihr Arbeitsleben.

Lösungsorientiert handeln

Führungspersonen dürfen sich bei dieser Erkenntnis nicht von der eigenen Unzufriedenheit leiten lassen, sondern müssen mit einem aktiven Management versuchen, Schritte gegen das kollektive Raunzen und das Gefühl der Machtlosigkeit. Dabei darf natürlich nicht die menschliche Komponente außer Acht gelassen werden: Ein Team vereint viele unterschiedliche Charaktere, die agieren und reagieren. „Wir stellen immer wieder fest, dass in Unternehmen die Balance zwischen Empathie und Zielorientierung fehlt“, erläutert Prammer. „Der Fokus liegt sehr häufig entweder auf den Mitarbeiterbeziehungen oder den Unternehmenszielen – beides ist als alleiniger Fokus nicht hilfreich. Deshalb ist es wichtig, die richtige Balance zwischen Vertrauen und Herausforderungen in der Unternehmenskultur zu verankern“, so der Experte weiter.
Sobald akzeptiert wurde, dass das Unternehmen unter den Zwängen einer verwöhnten Organisation agiert, muss gehandelt werden.
In einem ersten Schritt rät Prammer: „Hin und wieder Dampf abzulassen, ist total in Ordnung und muss in Organisationen auch möglich sein. Doch dann sollten sich alle im Unternehmen darauf konzentrieren, die richtige Balance zwischen Zusammenarbeit und herausfordernden Zielen zu finden, die eigene Energie auf das persönliche Veränderungspotenzial zu richten und die Mobilität und die Außenorientierung zu fördern.“

Tipps gegen die „Verwöhnfalle“

  1. Suchen Sie sich Verbündete!
  2. Sensibilisieren Sie möglichst viele Mitarbeiter für das Thema
  3. Setzen Sie gezielte Maßnahmen zur „Entwöhnung“, das heißt: Nehmen Sie bewusst Konflikte in Kauf, um Veränderung in Gang zu setzen.
  4. Verbünden Sie sich interdisziplinär – je mehr Berufsgruppen Sie hinter sich haben, umso weniger Konfliktpotenzial eröffnet sich.
  5. Die Lösung ist nicht nur Chefsache – jeder kann gegensteuern!
  6. Je weiter oben in der Hierarchie, umso leichter ist es.
  7. Je weiter unten in der Hierarchie, desto mehr Verbündete sind notwendig.

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