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Meilenstein in der Forschung: Querdenker gesucht!

Einen völlig neuen Weg geht die Ludwig Boltzmann Gesellschaft derzeit in der Auswahl von Forschungsthemen und -mitarbeitern: Über ein „Ideas Lab“ sollen sich Forschungsgruppen zu Themen rund um die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen formieren.


Nach dem Vorbild eines Diabetes-Projektes an der Harvard Medical School hat die Open Innovation in Science Initiative der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) in Wien kurzerhand die Bevölkerung zur Formulierung von Forschungsfragen aufgefordert. Unter dem Titel „Reden Sie mit!“ wurden Beiträge von Betroffenen, Angehörigen und Experten im Rahmen des Crowdsourcings gesammelt. Als Thema wurden „Psychische Erkrankungen“ gewählt, denn: „Der Bereich ist noch nicht besonders gut erforscht, es gibt viele Betroffene und Angehörige, demnach ist der Bedarf sehr hoch“, erklärt Dr. Lucia Malfent, Open Innovation in Science Research and Competence Center (OIS Center). Gesucht wurden nicht Probleme und Lösungen, sondern Forschungsfragen, die von der Wissenschaft aufgegriffen werden sollen. Eine Webplattform war zehn Wochen offen für Beiträge und zählte 15.000 Besucher aus 83 Ländern. „Letztendlich haben wir 400 Beiträge erhalten und das wirklich Erstaunliche daran war, dass kein einziger verworfen werden musste. Alle waren verwertbar“, resümiert Malfent.
Zwei geschulte Analysten, die aber keine Experten im Thema waren, führten eine semantische Analyse durch und haben aus den Einreichungen acht Themenbereiche identifiziert, darunter auch psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Diese wurden an die Community zurückgespielt, gereiht und von einer interdisziplinären Fachjury nach gesellschaftlicher und Forschungsrelevanz beurteilt. Im Finale standen Themen wie die Entwicklung von Therapien speziell für Kinder, die Früherkennung von Symptomen, der Einfluss von Medienkonsum auf die psychische Gesundheit von Kindern, die Identifikation von Biomarkern, die Unterstützung für psychisch erkrankte Eltern und ihre Kinder oder die Entstigmatisierung von Kindern mit psychisch erkrankten Eltern. „Wir haben jene Themen, die zur Struktur der LBG passen, selektiert, die verbleibenden Fragestellungen werden so aufbereitet, dass sie von anderen Forscherteams aufgegriffen werden können“, fasst Malfent zusammen. Ausgewählt wurde letztendlich das Thema „Kinder psychisch kranker Eltern“.

Innovatives Auswahlverfahren
Im nächsten Schritt wurde ein Ideas Lab gestartet, um für die geplanten Forschungsfragen nun die passenden Forscher zu finden. „Das Format ist ein innovatives Auswahlverfahren zur Zusammenstellung von internationalen und interdisziplinären Forschungsgruppen. Es handelt sich um einen offenen Workshop, der dazu dient, nationale und internationale Expertise aus verschiedenen Disziplinen zu einem Thema zusammenzubringen und neue Querverbindungen und damit neue Forschungsprojekte anzustoßen. Gefördert werden das bewusste Querdenken und ein radikaler Zugang quer über die Grenzen vieler Disziplinen hinweg“, gibt Mag. Raphaela Kaisler, MSc, Project Management Forschungsprogramm Mental Health, Einblick.
25 bis 30 Bewerber werden aus den Bewerbungen, die bis zum 8. März bei der LBG eingehen, für das Ideas Lab ausgewählt und in einem fünftätigen Workshop sollen sich aus dieser Gruppe die Leiter für die künftigen Forschungsgruppen rekrutieren. „Im Ideas Lab sollen die Ideen für das Forschungsprogramm entwickelt und Forschungsanträge skizziert werden“, so Kaisler. In die engere Wahl kommen nicht nur die Kerndisziplinen wie etwa die Psychiatrie oder Psychologie, sondern möglichst entfernte Bereiche wie etwa Soziologie, Kunst oder Medien.

Herausforderungen im Team
Spannend wird es sein, eine gemeinsame „Sprache“ im interdisziplinär und international besetzten Ideas Lab zu finden. Die Moderation übernehmen sieben „Mentoren“, die darauf achten müssen, dass neue Gedanken in Fluss kommen und bleiben, aber auch dass diese Interdisziplinarität gewahrt bleibt. Schlussendlich haben sie eine Doppelrolle: „Sie müssen auch herausfinden, wer sich als künftiger Forschungsgruppenleiter am besten eigenen wird“, so Kaisler. „Wir wollen keinen neuen Elfenbeinturm eröffnen, sondern die bisher im Prozess gelebte Offenheit auch dann in der Forschung beibehalten“, sind sich Kaisler und Malfent einig. Das Forschungsprogramm wird vier Jahre laufen und hat ein Projektvolumen von 1,5 Mio. Euro pro Jahr. rh

Jetzt bewerben!
Die Ausschreibung für das Ideas Lab der Ludwig Boltzmann Gesellschaft läuft noch bis 8. März 2017. Der Workshop wird von 24. bis 28. Mai 2017 stattfinden.
Bewerbung und Ausschreibungs-unterlagen: www.ideaslab.lbg.ac.at


Chefarzt/Chefärztin Abteilung Innere Medizin

Zentralkrankenhaus Bozen; CH-39100 Bozen [zur Ausschreibung]

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Arzt/Facharzt für Arbeitsmedizin in Leitungsfunktion (m/w)

BMW Group; 4400 Steyr
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Fachärztin/-arzt für Radiologie

Barmherzige Schwestern Krankenhaus Ried, 4910 Ried im Innkreis
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FA für Kinder- u. Jugendpsychiatrie und psychotherapeutische Medizin

PSN - Psychosoziales Netzwerk; 8940 Liezen
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