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Mit Leidenschaft für die Zukunft der Medizin

Univ.-Prof. Dr. Sylvia Schwarz wurde für die Position der Präsidentin des Obersten Sanitätsrats wiedergewählt. Mit Leidenschaft und Engagement möchte die versierte Anästhesistin und Intensivmedizinern die heimische Medizin lenken helfen.


Ich wünsche alle jungen Medizinern, dass sie von der Faszination, der Leidenschaft für diesen Beruf erfasst werden“, sagt Sylvia Schwarz und das macht schnell deutlich, wie es ihr selbst damit geht. Die interimistische ärztliche Direktorin des Krankenhauses Nord und Vorstand der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin im Krankenhaus Lainz in Wien brennt für ihren Beruf. Für Karriere-MEDIZIN spricht die Anästhesistin und Intensivmedizinerin über ihren Karriereweg, über Faszination und Leidenschaft.

?Welchen Weg wollten Sie einschlagen und wie zufrieden sind Sie mit dem tatsächlichen Karriereweg?
Ich hatte nie einen anderen Berufswunsch und wollte immer schon Medizin studieren. Das Studium habe ich dann zügig absolviert und währenddessen entdeckte ich die operativen Fächer. Anästhesie fand ich besonders interessant, weil es so viele operative Fächer begleitet und daher sehr breit angelegt ist. Meine Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut. Medizin macht mir nach wie vor große Freude, vor allem die Intensivmedizin mit der Ausweitung auf Schmerztherapie. Mein Karriereweg war also nicht auf Zufälle aufgebaut, sondern recht durchgeplant.

?Sind Sie jemals in Ihrer Karriere an die berühmte gläserne Decke gestoßen?

Nein, dieses Problem hatte ich nie. Ich habe meine Ausbildung an der Uniklinik begonnen und dort herrscht weitgehend Chancengleichheit. Dort gibt es hervorragende Vorgesetzte – Männer wie auch Frauen – und genug Arbeit für alle.

?Was bedeutet Ihnen die neuerliche Wahl zur Präsidentin des Obersten Sanitätsrats?
Persönlich freut mich diese Wahl sehr, weil das Gremium von hervorragenden Leuten besetzt ist. Der Oberste Sanitätsrat besteht aus sehr erfahrenen, intelligenten Menschen aus den unterschiedlichsten Fachgruppen, die alle ein Anliegen haben: Sie möchte die Dinge möglichst gut umsetzen. Es handelt sich dabei um ein beratendes Gremium für die Gesundheitsministerin, mit der die Zusammenarbeit besonders viel Freude bereitet, weil sie sehr kompetent und engagiert ist. Daher können wir auch gute Erfolge verzeichnen, wie etwa die Neuerungen zur Rufbereitschaft oder die Impfungen des Personals in Hochrisikobereichen – was freilich nicht bedeutet, dass es nichts mehr zu tun gäbe. Aber harte Arbeit mit guten Resultaten ist einfach sehr befriedigend.

?Was halten Sie vom neuen Primärversorgungsgesetz?
Ich persönlich glaube, dass das die Zukunft der medizinischen Versorgung ist. Das Primärversorgungsgesetz bringt Vorteile für die Patienten, da sie an einer Stelle mehrere Disziplinen vorfinden, aber auch für die Ärzte, die verstärkt interdisziplinär arbeiten können. Die Wege der Diagnostik sind kürzer, die Therapien beginnen früher. Ich sehe das als eine Ausweitung zum Hausarztmodell, keine Konkurrenz.

?Sie sind interimistische ärztliche Direktorin des Krankenhauses Nord. Was ist der aktuelle Stand des Großprojekts?

Betriebsstart im Krankenhaus Nord ist im letzten Quartal 2018. Das gibt uns ein ganzes Jahr Zeit für die Inbetriebnahme und das ist sehr wichtig. Die sogenannte kalte Inbetriebnahme bedeutet, dass das ganz Haus hochgefahren wird, dass die gesamte Technik einschließlich der IT auf Vollbetrieb geht und jede Kleinigkeit überprüft wird. Gleichzeitig läuft ein intensives Schulungsprogramm für die Mitarbeiter, in dem die neuen Abläufe trainiert werden. Das KH Nord ist kein Schrebergartenhaus, es ist ein hochmodernes, hochtechnisiertes Haus mit 6.000 Räumen. Die Zeiten haben sich seit dem Bau des AKHs geändert, die Anforderungen sind komplexer. Die Herausforderung für 2018 wird sein, das KH Nord gemeinsam mit den künftigen Mitarbeitern fit für einen Vollbetrieb zu machen, sodass sich jeder in seiner Rolle absolut sicher fühlt. Schlecht geschulte Mitarbeiter sind ängstlich und sollten sich nicht um schwerkranke Patienten kümmern. Das wollen wir verhindern. Mit einer exzellenten Vorbereitung erreichen wir vom Start weg ein hohes Niveau. Ich würde mir allerdings wünschen, dass die Medien mehr Verständnis dafür aufbringen, dass wir dafür Zeit brauchen, denn wenn wir uns diese Zeit nicht nehmen würden, wäre das Resultat nicht gut genug.

?Was sind Ihres Erachtens brennende Fragen des heimischen Gesundheitssystems?
Im internationalen Vergleich haben wir ein herausragend gutes Gesundheitssystem – darüber müssen wir uns im Klaren sein. Wir haben hochwertige medizinische Angebote, eine 24-Stunden-Betreuung im Spital und einen hohen Arztanteil in der Bevölkerung. Eine Finanzierung aus einer Hand würde sicherlich vieles erleichtern. Ich empfinde es als störend, dass unser System sehr träge ist, die Erfassung neuer Leistungen im Leistungskatalog dauert viel zu lange. Dafür ist hochspezialisiertes Wissen erforderlich. Auch die Ausbildung junger Kollegen ist mir ein persönliches Anliegen. Sie sollen nach einem Rotationsprinzip ausgebildet werden, andere Häuser kennenlernen.
Außerdem ist die Schwerpunktsetzung, die Konzentration von Leistungen in einzelnen Häusern wichtig, speziell in der Hochleistungschirurgie. Expertise erhält man nur durch eine hohe Fallzahl. Herzkatheteruntersuchungen oder spezielle herzchirurgische Eingriffe müssen nicht in jedem Haus gemacht werden. Die Schwerpunktsetzungen laut Masterplan 2030 sind durchaus sinnvoll, aber der Masterplan ist politisch gesehen dünnes Eis – politische Entscheidungen werden etwa durch Bürgerinitiativen wieder zurückgenommen. Da wird ein Schritt nach vorne gemacht und dann sofort wieder einer zurück.

?Was möchten Sie in Ihrer Position gerne verändern?
Ich bemühe mich sehr um eine reduzierte Bürokratie – es gibt zu viele Vorschriften, Hürden, Zettel. Vieles könnte man schlanker gestalten, sodass es leichter wird, Verantwortlichkeiten wahrzunehmen und zu leben. Medizin braucht mehr Freiheiten, mehr Wissenschaft, mehr Forschung. Wir sollten wieder zurückfinden zu dem hohen Stellenwert der Medizin, den sie früher hatte. Derzeit „nagen“ viele Berufsgruppen an der Medizin, vor allem die Ökonomie. Die Ärzte werden viel zu wenig gehört – ihr Stellenwert muss wiederhergestellt werden. Hut ab vor der Ärztekammer – Thomas Szekeres und seine Kollegen bemühen sich sehr, dass die Stimmen der Ärzte wieder gehört werden.

?Was würden Sie sich für die heimischen Spitäler wünschen?
Ich wünsche mir, dass die notwendigen Baustellen weniger werden. Die Spitäler sollen gut kooperieren, weil das Konzept der Partnerspitäler Stärkung sowie Stützung der Zusammenarbeit impliziert. Das funktioniert nur mit jungen Ärzten, die man in der Ausbildung rotieren lässt und daran profitieren alle Beteiligten.

?Wie wichtig sind für Ärzte Internationalität und Interdisziplinarität?
Beides ist ganz wesentlich. Jeder junge Kollege sollte hinausgehen und im Ausland Erfahrungen sammeln. Auch in kleinen Häusern kann man viel lernen. Internationalität weitet das Gesichtsfeld. Ohne Interdisziplinarität sind weder moderne Medizin noch gute Zusammenarbeit mit den Patienten möglich. Sie sorgt für optimale diagnostische und therapeutische Ergebnisse. Ich halte also sowohl Internationalität als auch Interdisziplinarität in der heutigen Medizin für unerlässlich. bw

Tipps für Ihre Karriere

  1. Die Basis, warum jemand Arzt wird, muss stimmen. Die Faszination für die Medizin muss da sein, ebenso die Bereitschaft, sich für Patienten mit Leidensdruck einzusetzen. Die Bereitschaft, Patienten zu führen und zu begleiten, ist eine Voraussetzung für diesen Beruf.
  2. Lebenslanges Lernen ist für die Weiterentwicklung im Beruf notwendig. Hier gibt es keine Kompromisse. Visionen, Zukunftsszenarien muss ein Arzt immer versuchen zu erreichen.
  3. Im viel strapazierten Modell der Work-Life-Balance muss die Waage klar in Richtung Work gehen. Selbstreflexion ist wichtig, das Bestreben, das Beste für den Patienten zu tun. Daraus ergibt sich dann Freude am Beruf.

Kurzbio

Sylvia Schwarz ist in Wien geboren und promovierte 1971 an der Medizinischen Universität Wien. 1977 beendete sie ihre Facharztausbildung für Anästhesiologie und Intensivmedizin und lehrt seit 1985 auf diesem Gebiet. Im Krankenhaus Hietzing steht sie der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin vor. 1990 wurde Schwarz der Titel der außerordentlichen Universitätsprofessorin verliehen. Im Jahr 2010 erfolgte die Ernennung zur interimistischen ärztlichen Direktorin des Krankenhauses Nord. Außerdem wurde sie für weitere drei Jahre zur Präsidentin des Obersten Sanitätsrats wiedergewählt. Durch ihre zahlreichen Forschungsaufenthalte in den Niederlanden und den USA bringt Schwarz auch internationale Erfahrung mit.


Stationsarzt/Stationsärztin

Evangelisches Krankenhaus Wien; 1180 Wien (zur Ausschreibung)

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diverse Ausschreibungen Fachärzte/Fachärztinnen

Tauernkliniken GmbH; 5700 Zell am See (zur Ausschreibung)

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Arzt/Ärztin für Allgemeinmedizin oder FA für Orthopädie und orthopädische Chirurgie oder FA für Physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation

Klinikum Schallerbacherhof; 4701 Bad Schallerbach [zur Ausschreibung]

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Assistenzärzte und Fachärzte (m/w) für Psychiatrie und Psychotherapie

kbo-Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen (Vils); D-84416 Taufkirchen (Vils) [zur Ausschreibung]

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Sekundarärztin/ -arzt für die Akutgeraitrie und Remobilisation

Barmherzige Schwestern Ried; 4910 Ried im Innkreis [zur Ausschreibung]

Kooperationspartner