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Mit Rotation gegen Isolation

Univ.-Prof. Dr. Peter Schneeberger, 2. Klinikleiterstellvertreter, Leiter Transplantationschirurgie & Hepatobiliäre Chirurgie an der Universitätsklinik für Viszeral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie der Medizinischen Universität Innsbruck, ist neuer und jüngster Präsident der ESOT, der Europäischen Gesellschaft für Organtransplantationen.


Univ.-Prof. Dr. Stefan Schneeberger, neuer ESOT-Präsident. FOTO: MUI/F. Lechner

?War die Transplantationschirurgie schon immer etwas, das Sie interessiert hat, oder kam Ihr Karriereweg eher zufällig zustande?
Eine Kombination aus beidem trifft es wahrscheinlich am besten. Medizin hat mich schon sehr früh fasziniert, Chirurgie als nächstes. Während des Studiums hat mich dann ein Kollege gefragt, ob ich mich an einer wissenschaftlichen Arbeit beteiligen möchte – das war im Labor von Professor Margreiter. Dann war die Frage der Spezialisierung für mich klar. Prof. Margreiter hat mir vorgelebt, wie man eine klinisch-wissenschaftliche Einheit wie jene in Innsbruck auf sehr hohem Niveau ins weltweite Spitzenfeld führen kann.

?Was hat dazu beigetragen, dass Innsbruck eines der renommiertesten Transplantationszentren Europas wurde?
Das hat viel mit den Personen in den Anfängen zu tun. Innsbruck ist mittlerweile weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt und das ist zu einem großen Teil auf Margreiter zurückzuführen, der Pionierarbeit leistete und die Transplantationsmedizin in Innsbruck etablierte. Mittlerweile ist Innsbruck auch für seine gute Teamarbeit bekannt, dafür dass alle Disziplinen hervorragend zusammenarbeiten.

?Hat auch die Widerspruchsregel mit dem Status als Transplantationszentrum zu tun?
Die Widerspruchsregel bildet natürlich einen guten Nährboden für die Transplantation. Entscheidend sind aber die Kultur und die Wahrnehmung der Transplantationsmedizin in der Bevölkerung. In vielen schwierigen Fällen versuchen wir, gemeinsam mit Betroffenen Lösungen zu finden. Wenn die Menschen kein Verständnis aufbringen würden, würde auch die rechtliche Sachlage nichts bringen. Es geht also auch darum, Akzeptanz zu schaffen.

?Wie kann die Akzeptanz der Lebendspende in der Bevölkerung verbessert werden?

International funktioniert diese Akzeptanz sehr gut, wir hinken bei den Lebendspenden ein wenig nach. Wir haben eine gute Totenspendenrate und eine größere Zahl von Lebendspenden könnte helfen, die Lücke zur kompletten Versorgung der Bevölkerung zu schließen. Dafür müssen wir noch viel Aufklärungsarbeit leisten. In vielen Fällen ist nicht der Spender das „Problem“, sondern der Empfänger, der zögert, eine Lebendspende auch anzunehmen. Für eine wirksame Aufklärung der Bevölkerung ist sicherlich die Öffentlichkeitsarbeit das Mittel Nummer eins, aber auch im medizinischen Umfeld müssen Für und Wider diskutiert und Risiken deutlich gemacht werden. Die Patienten sind selbst entscheidungsfähig und sind sich der Problematik bewusst. In der Medizin tendieren wir dazu, Entscheidungen vorwegzunehmen, obwohl der Patient das sehr gut mitentscheiden kann. Dafür ist aber Aufklärung notwendig und die ist nicht unmöglich.

?Sie wurden zum Präsidenten der ESOT gewählt. Was sind Ihre Pläne in dieser Funktion?

Die ESOT konzentriert sich nicht nur auf Europa, sondern ist global ausgerichtet und vernetzt – das soll intensiviert werden. Für Europa planen wir eine engere Zusammenarbeit der Länder, mehr gemeinsame Plattformen, gemeinsame Ausbildungen und Zertifizierungen die Ausbildung betreffend. Es ist viel Substanz da, Prüfungen auf europäischer Ebene gibt es bereits. Der nächste Schritt wäre ein europäisches Fellowship. Ein Rotationsschema wäre schön, sodass Auszubildende in etwa zwei Jahren mehrere Zentren besuchen und kennenlernen können. So erfahren sie ein Spektrum von Inhalten, sehen aber auch unterschiedliche Krankenhausstrukturen. Mehr Austausch innerhalb Europas würde dem Optimierungsprinzip folgen und wäre eine Win-win-Lösung für alle.

?Welche Entwicklungen in der Transplantationsmedizin der letzten Jahre waren besonders wichtig?
Um ehrlich zu sein, gab es keine echten Quantensprünge – die gab es in den 1970er- und 80er-Jahren. Seither kam es zu einer kontinuierlichen Weiterentwicklung, wir sind schnellen Fortschritt längst gewöhnt. Mittlerweile wurde jedoch die Geschwindigkeit reduziert und der Grund dafür ist paradoxerweise der Erfolg der Jahre davor. Heute haben wir eine Überlebensrate von 96 % bei Nierentransplantationen, die restlichen 4 % werden durch derart viele Faktoren verursacht, dass es da kaum mehr Weiterentwicklung gibt.
Zu den wichtigsten neuen Errungenschaften zählt aber jedenfalls die Maschinenperfusion, wenn also Organe entnommen, aber nicht sofort transplantiert, sondern an eine Maschine angeschlossen werden. Die Zeitspanne, in der das Organ an der Maschine hängt, ist ausdehnbar und bietet Optionen, es zu behandeln, zu konditionieren, eventuell auch zu manipulieren – etwa durch eine Maskierung gegenüber dem Immunsystem. Die Maschinenperfusion ermöglicht zudem einen Organtransport über größere Distanzen hinweg.

?Was bedeutet das für die Zukunft?
In der fernen Zukunft ist das die Grundlage für Organbanken. In den USA gibt es bereits das erste Krankenhaus, in dem Organe für die spätere Transplantation konditioniert werden sollen.

?Bringt das nicht Medizinethiker auf den Plan?
Medizinethik ist eine logische Folge der medizinischen Entwicklung. Der medizinische Fortschritt ermöglicht vieles, das überprüft werden muss. Unrechte Maßnahmen gehören vehement korrigiert, ohne dadurch den Fortschritt zu gefährden.

?Wie ist das im Vergleich in Europa?
Flächenübergreifende Strukturmaßnahmen in der Transplantation sind in den USA aufgrund der nationalen Verwaltung oft einfacher umzusetzen. Europa ist aufgegliedert in kleinere Regionen, die größte davon wird von Eurotransplant bedient. Frankreich, Italien, die Schweiz oder auch Spanien haben eigene Systeme, Scandiatransplant bedient die skandinavischen Länder. Diese unterschiedlichen Organisationen werden unter anderem mithilfe der ESOT besser vernetzt.

?Wie steht es um die Internationalität? Sind die Österreicher ausreichend gut vernetzt?

Internationalität ist ein klares Muss. Österreich ist zu klein, um sich zu isolieren. Ein ständiger Austausch ist wichtig, denn nur so sind größere Studien überhaupt möglich – sonst wären die Fallzahlen viel zu klein.

?Welche Entwicklungen würden Sie sich für die nächste Zeit wünschen?
Eine Organbank in Innsbruck ist natürlich eine ferne und auch unrealistische Wunschvorstellung. Patienten könnten dann sofort versorgt werden. Realistischer ist eher eine outgesourcte Organbank auf europäischer Ebene, denn für kleine Zentren wäre das zu kompliziert. Dort könnten sich dann Spezialisten ausschließlich auf die Konservierung und Konditionierung von Organen konzentrieren.

?Was möchten Sie selbst im Laufe Ihrer Karriere noch gerne umsetzen?
Ich würde gerne in Innsbruck jeden Patienten, der auf ein Organ wartet, auch mit einem versorgen können, also auch die Wartezeit auf nahe null reduzieren. Innsbruck soll international gesehen in vorderster Reihe bleiben. Für die ESOT würde ich mir eine globale Reichweite und eine Harmonisierung der Ausbildungen wünschen.

?Ist Forschung für einen Klinikarzt ein Kraftakt? Wie gehen Sie mit Ihren Ressourcen um?
Ich gebe zu, dass die Arbeit als Arzt und Forscher ein dauerndes Jonglieren mit Zeit und Energie bedeutet. Der limitierende Faktor ist und bleibt die Zeit. Ich würde aber nie darüber klagen, weil das einfach Teil des Berufsbildes ist. Was ich mir aber wünschen würde, ist, dass es dafür mehr Verständnis in der öffentlichen Diskussion gibt. Hier wird oft an der Realität vorbeigedacht. Akademische Mediziner sind eine Randgruppe – was sie wollen, wird derzeit nicht abgebildet. Überbrückungslösungen und Umgehungen sind sicher der falsche Weg. Besser wäre es, der Realität ins Auge zu schauen und bessere Regelungen zu finden.

?Welche Aspekte kommen Ihrer Ansicht nach in der medizinischen Ausbildung in Österreich zu kurz?
Ich denke, mehr Rotation wäre empfehlenswert, also an vielen Orten viele unterschiedliche Aspekte kennenzulernen. Das schult auch die persönliche Weiterentwicklung und die darf nicht unterschätzt werden. Die EU hat so viel zu bieten – diese Chancen sollten wir mehr nutzen als bisher. In Innsbruck achten wir sehr auf einen regen Austausch, von Innsbruck in andere Zentren, aber auch umgekehrt. Diese Kultur des Austausches sollte weiter geschärft werden – sie ist vorhanden, aber ausbaubar. bw

Kurzbio

Stefan Schneeberger (44) hat in Innsbruck studiert, promoviert und habilitiert. Der Facharzt für Allgemein- und Visceralchirurgie war von 2006 bis 2010 am renommierten Transplantationszentrum der Universität von Pittsburgh tätig. 2010 kehrte er in Teilzeit nach Innsbruck zurück und fungierte als Visiting-Professor an der bekannten Johns Hopkins University in Baltimore (USA). Seit 2014 ist er ausschließlich an der Medizinischen Universität Innsbruck tätig, Leiter der Transplantationschirurgie und Hepatobiliären Chirurgie sowie zweiter Klinikleiterstellvertreter.

Tipps für Ihre Karriere

  1. Definieren Sie in ehrlicher Weise, was Sie in Ihrer medizinischen Laufbahn wollen und nehmen Sie Schwung in die richtige Richtung. Je genauer Sie das wissen, desto einfacher ist der Weg.
  2. Lassen Sie sich Ihre Idealvorstellungen nicht nehmen, sondern verfolgen Sie sie konsequent, auch wenn Hindernisse und Hürden im Weg stehen. Konsequenz macht sich bezahlt.
  3. Lassen Sie den immerwährenden Kontakt zu den Patienten nicht los – das ist der beste Motor hinter allem, was Sie tun.

 

 


Stationsarzt/Stationsärztin

Evangelisches Krankenhaus Wien; 1180 Wien (zur Ausschreibung)

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diverse Ausschreibungen Fachärzte/Fachärztinnen

Tauernkliniken GmbH; 5700 Zell am See (zur Ausschreibung)

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Arzt/Ärztin für Allgemeinmedizin oder FA für Orthopädie und orthopädische Chirurgie oder FA für Physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation

Klinikum Schallerbacherhof; 4701 Bad Schallerbach [zur Ausschreibung]

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Assistenzärzte und Fachärzte (m/w) für Psychiatrie und Psychotherapie

kbo-Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen (Vils); D-84416 Taufkirchen (Vils) [zur Ausschreibung]

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Sekundarärztin/ -arzt für die Akutgeraitrie und Remobilisation

Barmherzige Schwestern Ried; 4910 Ried im Innkreis [zur Ausschreibung]

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