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Patienten sind mehr als die Summe von Organen

Fächerübergreifendes Wissen in der Medizin ist ein wichtiges Lehr- und Lernziel. So wird die Sicht auf den Patienten als Ganzes gestärkt und die medizinischen Fachdisziplinen verzahnen sich automatisch.


Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Peter Schemmer, MBA, FACS, Klinische Abteilung für Transplantationschirurgie, Universitätsklinik für Chirurgie/LKH-Universitätsklinikum Graz, Medizinische Universität Graz. FOTO: MedUniGraz

Die Transplantationschirurgie an der Med Uni Graz erhält mit Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Peter Schemmer, MBA, FACS einen neuen Chef. Der international renommierte Experte kommt vom Universitätsklinikum Heidelberg nach Graz und leitet hier die Klinische Abteilung für Transplantationschirurgie an der Universitätsklinik für Chirurgie des LKH-Universitätsklinikums Graz. Schemmer wurde 1967 in Gelsenkirchen, Deutschland, geboren und promovierte 1996 im Fach Humanmedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen. 2004 habilitierte er sich im Fach Chirurgie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, wo er bis zu seinem Wechsel an die Med Uni Graz zahlreiche Leitungsfunktionen innehatte, zum Schluss etwa die Funktion des stellvertretenden Ärztlichen Direktors an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie bzw. die Funktion des Geschäftsführenden Oberarztes und Leiters der Sektionen Viszerale Transplantationschirurgie und Leberchirurgie. „Mit Peter Schemmer ist es gelungen, einen international renommierten Experten in der Transplantationschirurgie nach Graz zu holen“, sind sich Univ.-Prof. Dr. Gernot Brunner, Ärztlicher Direktor des LKH-Univ. Klinikum Graz, und Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg, Rektor der Med Uni Graz, einig.
Bereits mehr als 6.000 hochkomplexe Operationen führte der Chirurg bis dato durch. Hierzu gehören etwa eine Vielzahl an Leber-, Nieren- und Pankreastransplantationen bei sowohl Kindern als auch Erwachsenen sowie die Lebendspende von Nieren und Lebern zur Transplantation, was eine große Bereicherung für die Weiterentwicklung der Transplantationschirurgie in Graz darstellt. Außerdem kann er das bereits vorhandene hochspezialisierte Umfeld nutzen, um seine Expertise in engster Kooperation und Abstimmung mit der Klinischen Abteilung für Allgemeinchirurgie als Ergänzung einbringen, sodass eine noch größere Zahl an Patienten als bisher mit High-end-Chirurgie auf höchstem Niveau versorgt werden kann.

Sie bringen international renommierte Expertise nach Graz mit. Wie werden Sie die Erfahrungen hier umsetzen?
Meine Expertise umfasst zunächst die Patientenversorgung mit speziellen innovativen Operationsverfahren und Techniken, die schonenderes Operieren mit teils individuellem Ansatz ermöglichen. Aufgrund der sich auf dem neuesten Stand der Medizintechnik befindlichen Operationssäle sowie der exzellent ausgebildeten Narkoseärzte und Pflegenden konnte ich meine chirurgische Expertise zum Vorteil unserer Patienten von Anfang an einbringen. Mein wissenschaftliches Profil passt ideal zu den Forschungsschwerpunkten der Medizinischen Universität Graz. Durch das Einbringen meines Forschungsprofils in den Bereichen Transplantation, Ischämie/Reperfusion, chirurgische Onkologie, regenerative Medizin und Gesundheitsökonomie sind zusätzliche Synergieeffekte in der biomedizinischen und krankheitsbezogenen Grundlagenforschung, präklinischen Forschung, experimentellen Chirurgie, translationalen Forschung und bei der Durchführung innovativer klinischer Studien zu erwarten. Außerdem kann ich mich durch meine methodisch-didaktische Weiterbildung in der Lehre sehr gut in den bereits mit modernen Elementen versehenen Lehrplan der Studierenden an der Med Uni Graz einbringen.

Gibt es konkrete Pläne oder Projekte?

In der kontinuierlichen Weiterentwicklung meiner Abteilung sehe ich zunächst die größte Aufgabe. Dabei unterscheide ich zwischen medizinischer Weiterentwicklung und Managementaufgaben. Es ist mir bereits nach wenigen Wochen gelungen, moderne Organisationsstrukturen in meiner Abteilung zu etablieren, was durch alle ärztlichen und nicht-ärztlichen, hochmotivierten Mitarbeiter nach Kräften unterstützt wurde. Dazu gehören insbesondere qualitätssichernde Maßnahmen wie wöchentliche interprofessionelle Leitungskonferenzen, die Teilnahme an Tumorboards, Mortalitäts-/Morbiditätskonferenzen, ein strukturiertes Ausbildungscurriculum, die Etablierung von interdisziplinären Indikationsbesprechungen und die Überarbeitung von Behandlungspfaden. Zur Abrundung Letzterer zählen auch die zwischenzeitlich etablierten post-stationären Kurmaßnahmen, die den Behandlungserfolg nachhaltig unterstützen.
In Arbeit befindet sich ein für meine Abteilung zuständiges zentrales Patientenmanagement (ZPM), das interprofessionell, gemeinsam von Ärzten und Pflegenden gestaltet wird, um einen zentralen Ansprechpartner für unsere Kooperationspartner in Ordinationen, Spitälern, aber auch für unsere Patienten direkt anzubieten. Zuweisende können mit kompetenten Ansprechpartnern meiner Abteilung stationäre Aufnahmen, aber auch die Rückübernahme und Weiterversorgung der gemeinsamen Patienten planen. Der persönliche Kontakt mit externen Kollegen ist für mich wichtig. Darüber hinaus liegt mir die Unterstützung von Patientenverbänden und Selbsthilfegruppen am Herzen. Diese, aber auch externe Kollegen werden zukünftig durch Fortbildungsveranstaltungen auf Innovationen in unserem Leistungsspektrum aufmerksam gemacht.
Auf dem eingeleiteten Weg zum interdisziplinären und interprofessionellen Transplantationszentrum Graz konnten wir bereits den ersten großen Erfolg feiern. Es ist dem Universitätsklinikum gelungen, eine in Österreich einzigartige Rund-um-die-Uhr-Gewebebeurteilung von potenziellen Transplantaten durch das Institut für Pathologie der Med Uni Graz zu gewährleisten. Durch die bessere Identifizierung von zur Transplantation geeigneten Organen ist eine Erweiterung des Spender-Pools zu erwarten. Noch mehr Patienten können somit schneller mit lebensrettenden Organen in Graz versorgt werden. Letzteres ist auch durch die Lebendspende von Nieren möglich und wird mit meinem Wechsel nach Graz nun auch für Lebern angeboten. Damit unsere Patienten auch zukünftig frühestmöglich von medizinischen Innovationen profitieren können, werden in meiner Abteilung Strukturen geschaffen, die es erlauben, schon vor der offiziellen Einführung einer neuen Therapie Patienten unter Studienbedingungen davon profitieren zu lassen. Abgesehen von meiner primären Aufgabe, die Transplantationschirurgie für Kinder und Erwachsene in Graz weiterzuentwickeln, darf ich das bereits vorhandene hochspezialisierte Umfeld nutzen, um auch meine allgemein- und viszeralchirurgische Expertise in engster Kooperation und Abstimmung mit der Klinischen Abteilung für Allgemeinchirurgie, geleitet von Univ.-Prof. Dr. Hans-Jörg Mischinger, Vorstand der Universitätsklinik für Chirurgie am LKH-Universitätsklinikum Graz, als Ergänzung seiner Abteilung einzubringen, sodass eine noch größere Zahl an Patienten als bisher mit High-end-Chirurgie auf höchstem Niveau versorgt werden kann.

Sie betrachten Forschung, Lehre und Patientenversorgung als eine untrennbare Einheit. Welche sichtbaren Konsequenzen wird das für die Behandler und die Patienten haben?
Chirurgen sind in modernen Lehrmethoden geschult, können Studierenden medizinisches Fachwissen optimal vermitteln, betreuen wissenschaftliche Arbeiten und bringen wissenschaftliche Aspekte, die sich durch aktuelle Problem- und Fragestellungen ergeben, in die Lehre ein. Der Chirurg ist somit Behandler, Lehrer und Wissenschaftler zugleich, der für alle sich inhaltlich überschneidenden Aspekte seiner Tätigkeit definierte Freiräume benötigt. Tatsächlich sichtbar werden in der täglichen Routine die zum gegenseitigen Vorteil intensiveren Interaktionen zwischen Behandler, Patienten und Studierenden.

Den Studierenden soll ein themenorientierter Unterricht geboten werden, was ändert sich konkret?
Eine Vermittlung von fächerübergreifendem Wissen ist das Ziel. Hierdurch wird die Sicht auf den Patienten als Ganzes gestärkt. Exemplarisch für einen themenorientierten Unterricht sei hier eine starke Vernetzung von Chirurgie, Notfallmedizin/Anästhesie, Innere Medizin/Endoskopie und Pathologie beim Thema „Gastrointestinale Blutung“ genannt. Eine noch stärkere Verzahnung der medizinischen Fachdisziplinen bei Vorlesungen, am Krankenbett oder in Praktika ist anzustreben und bildet die bereits gelebte klinische Routine mit einer interdisziplinären Evaluation und Therapie von den gemeinsamen Patienten ab.

„Studierende sollen lernen, Vertreter der Patienten zu sein.“ – Was ist damit gemeint? Und wie kann das vermittelt werden?

Ärzte benötigen einen zunehmend größeren Horizont, um in ihrer Therapie-Auswahl die richtige individualisierte, das heißt, auf den einzelnen Patienten abgestimmte Lösung empfehlen zu können. Hierzu gehören eine Einschätzung der Erkrankungsschwere, die Berücksichtigung von Begleiterkrankungen und das anschließende möglichst realistische Abwägen von zu erwartendem Therapieerfolg und Überlebensvorteil unter Berücksichtigung der Lebensqualität während und nach der Behandlung. Das muss dem spontanen Verlauf einer Erkrankung gegenübergestellt und die Frage, wie groß der tatsächliche Benefit für den Patienten sein kann, beantwortet und vermittelt werden. Patientenvertreter zu sein heißt aber auch, bei der Beantragung von Kurmaßnahmen zu unterstützen und sich in allen Belangen für den Patienten einzusetzen, um dessen Person und Würde zu schützen. All das lässt sich am einfachsten durch ein Mentoring als Vorbild vermitteln.

Wissenschaftliche Kompetenzen spielen eine immer größere Rolle, um den zunehmenden Mangel an „Clinical Scientists“ zu kompensieren. Was ist erforderlich, um die Forschung in Ihrem Fach – aber auch überhaupt in Österreich – zu fördern?
Zunächst gilt es, weltweit generell für das Fach Chirurgie dessen Attraktivität zu steigern, um dem zunehmenden Nachwuchsmangel zu begegnen. Trotz Arbeitszeitgesetz ist das Fach Chirurgie im Vergleich zu nicht-operativen Fächern hinsichtlich Work-Life-Balance benachteiligt, dem nur durch die Vermittlung der hohen Attraktivität des Faches begegnet werden kann. Gelingt dies bei unseren Studierenden, ist der erste wichtige Schritt getan. Zusätzlich lebt insbesondere die Wissenschaft vom internationalen Austausch. Entsprechend ist mein Labor und wissenschaftliches Umfeld aufgestellt und schon jetzt zeichnet sich eine hohe Attraktivität unserer Forschungsvorhaben ab, da sich zahlreiche internationale durch ihre Heimatländer finanzierte Stipendiaten zum Beispiel aus Japan, China und Litauen um Forschungspositionen beworben haben. Nach einem Zeitraum von rund ein bis zwei Jahren gehen diese wieder an ihre Heimatuniversitäten zurück. Die einmal geknüpften Kontakte lassen jedoch zukünftig wissenschaftliche Kooperationen und internationale Verbund-Projekte mit einem hohen zu erwartenden publikatorischen Impact zu.

Tipps für Ihre Karriere

  1. Suchen Sie den persönlichen Kontakt zu externen Kollegen.
  2. Knüpfen Sie Kontakte zu Patientenverbänden und Selbsthilfegruppen.
  3. Machen Sie Werbung in eigener Sache, zum Beispiel für Innovationen im Leistungsspektrum

Stationsarzt/Stationsärztin

Evangelisches Krankenhaus Wien; 1180 Wien (zur Ausschreibung)

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diverse Ausschreibungen Fachärzte/Fachärztinnen

Tauernkliniken GmbH; 5700 Zell am See (zur Ausschreibung)

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Arzt/Ärztin für Allgemeinmedizin oder FA für Orthopädie und orthopädische Chirurgie oder FA für Physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation

Klinikum Schallerbacherhof; 4701 Bad Schallerbach [zur Ausschreibung]

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Assistenzärzte und Fachärzte (m/w) für Psychiatrie und Psychotherapie

kbo-Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen (Vils); D-84416 Taufkirchen (Vils) [zur Ausschreibung]

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Sekundarärztin/ -arzt für die Akutgeraitrie und Remobilisation

Barmherzige Schwestern Ried; 4910 Ried im Innkreis [zur Ausschreibung]

Kooperationspartner