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„Wähle einen Beruf, den du liebst, …

… und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten“, sagte Konfuzius und Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat kann diesen Satz sofort unterschreiben. Der Urologe hat erst kürzlich die höchste Auszeichnung seines Faches erhalten und weiß genau, was seinen Beruf so lebenswert macht.


Das Zystoskop, als Symbol für Innovation, dient der amerikanischen Gesellschaft für Urologie als Modell für die höchste Auszeichnung des Faches, den Golden Cystoscope Award, der seit 1977 verliehen wird. 2017 hat ihn Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat, Leiter der Universitätsklinik für Urologie an der MedUni Wien, erhalten – als erster Nicht-Amerikaner.

Für welche Leistung haben Sie den Golden Cystoscope Award bekommen?
Offiziell für bahnbrechende Beiträge zu Grundlagen-, Translations- und klinischer Forschung auf dem Gebiet des Urothelkarzinoms der oberen (Nieren und Harnleiter) und unteren (Blasen und Harnleiter) Harnwege. Ich hatte das Glück, Co-Autor bei über 600 peer-reviewten Artikeln sowie bei zwei Patenten über das Urothelkarzinom sein zu dürfen (insgesamt über 900 peer-reviewte Artikel und vier Patente). Das Komitee befand, dass dieser Forschungsmaterialbestand die Richtlinien entscheidend verändert sowie die medizinische Behandlung für Patienten mit Urothelkarzinom verbessert hat.

Was bedeuten Ihre Forschungserkenntnisse für die Zukunft?
Blasenkrebs ist eine weit verbreitete Erkrankung und mit erheblicher Morbidität, Mortalität und hohen Kosten verbunden. Leider hat sich die Überlebensrate während der letzten 30 Jahre bei Blasenkrebs nicht zum Besseren verändert. Wir haben ausgehend von dieser Situation unermüdlich mit einer großen Anzahl an Kooperationspartnern und Patienten weltweit zusammengearbeitet, um Fortschritte bei Vorsorge, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten des Urothelkarzinoms zu erzielen. Unser oberstes Ziel war und ist es, Patienten darin zu bestärken, den Kampf gegen den Krebs zu gewinnen.

Was bedeuten Ihnen Preise und die Tatsache, dass Sie als erster Nicht-Amerikaner den Golden Cystoscope Award erhalten haben?
Dieser Preis wird nun seit 40 Jahren verliehen. Er ist die höchste Auszeichnung, die man in der Urologie bekommen kann. Zum ersten Mal wurde er nun an einen Nicht-Amerikaner verliehen. Meiner bescheidenen Meinung nach bedeutet das, dass die Amerikanische Urologengesellschaft beginnt, Forschung und Medizin auch außerhalb der USA anzuerkennen. Weiters bedeutet es, dass harte Arbeit und hohes Engagement belohnt werden – unabhängig davon, wo die Leistung erbracht wird. Wissenschaft, Forschung, Ausbildung und Medizin sind heutzutage
global.

Was bedeuten Preise wie dieser für den Forschungsstandort Wien bzw. Österreich?
Es ist ein großer Erfolg für unser Team. Zudem sollte uns dies alle darin bestärken, dass Wien bzw. Österreich durch neue Entdeckungen und wissenschaftlichen Fortschritt im Gesundheitswesen wieder zu einem Zentrum für Innovationen auf diesem Gebiet werden kann. Österreich ist ein großartiges Land mit einzigartigen Möglichkeiten. Wir müssen dieses Potenzial nutzen. Diese Auszeichnung gibt meinem Team und mir sowie hoffentlich auch anderen Menschen den Ansporn, diesem Ziel gerecht zu werden.  

Welche großen Innovationen erwarten Sie im Bereich der Urologie für die nächsten zehn Jahre?

Die Urologie wird sich grundlegend ändern, genauso wie alle anderen Bereiche in der Medizin. Es passieren gerade so viele erstaunliche Dinge in der Medizin und im Gesundheitswesen weltweit, hier nur eine kleine Auswahl der bedeutendsten Ideen und Entwicklungen, die uns schon bald in ein neues Zeitalter führen könnten: Augmented Reality Technologie, medizinische 3-D-Drucker, Realtime-Diagnostik, holografische Datenspeicherung, Crowdsourcing mithilfe der sozialen Medien sowie multifunktionale Radiologie. Trotz alledem wird die Technologie alleine die Probleme nicht lösen können, mit denen sich das Gesundheitswesen heute global konfrontiert sieht – dazu bedarf es immer noch der menschlichen Zuwendung und Betreuung.

Was würden Sie sich für die medizinische Forschung in Österreich wünschen?
Allen voran stellen qualifizierte, kompetente und begabte Leute, die in der Atmosphäre von Spitzenforschung lernen und reifen, sowohl kurz- als auch langfristig den wichtigsten Beitrag der Forschungsbasis dar. Unsere wissensbasierte Wirtschaft kann sich ohne die kontinuierliche Erneuerung jenes Qualifikationsreservoirs nicht erholen bzw. weiterentwickeln. Den Nachwuchs und junge Forscher durch attraktive Rahmenbedingungen zu fördern ist essenziell, um einen nachhaltigen Fortschritt durch Wissenschaft und Ausbildung zu erreichen.  

Und was würden Sie sich für das heimische Gesundheitssystem wünschen?
Das duale System aus niedergelassenen Ärzten und Spitälern, die unterschiedlich finanziert werden und durch Nichtabstimmung der Leistungen und der Prozesse enorm viel Geld verschwenden, das aber aus Gründen der Selbstverwaltung der Systeme durch Sozialversicherungsträger und Ärztekammer nicht ändern wollen, ist das zweite große Problem. Durch das Überangebot an Spitälern in Österreich gehen die Leute auch lieber in die Ambulanz, da gleichzeitig die Rolle des Hausarztes als Erstversorger im Gesundheitsbereich seit Jahrzehnten immer schlechter geworden ist. Wir haben in Österreich daher nach wie vor zu viele Akutbetten. Drittens fehlt in Österreich ein integriertes Gesundheitssystem, in dem alle medizinischen Bereiche neutral und kosteneffizient miteinander zum Wohle der Patienten verbunden werden. Deshalb wünsche ich mir, dass wir den Mut finden, eine nachhaltige, transparente, organisierte und zukunftsorientierte Gesundheitspolitik zu führen – das heißt Steuerung und Finanzierung aus einer Hand. Die Landschaft des Gesundheitswesens wird durch die Datenrevolution gerade von Grund auf umgestaltet. Ich würde mir wünschen, dass wir den Fokus auf die Präventivmedizin verstärken, einen persönlichen statt unverbindlichen Zugang pflegen sowie gemeinsam daran arbeiten, Informationssilos abzuschaffen und die Nutzung von Daten- und Hightech-Geräten forcieren.

Welche Änderungen in der medizinischen Ausbildung sind Ihrer Ansicht nach längst überfällig?
Durch Bildung kann Menschen der Weg zu guter Gesundheit, Empowerment und Erwerbstätigkeit gezeigt werden. Dies kann dazu beitragen, friedvolle Gesellschaften aufzubauen. Ich wünsche mir ein höheres Maß an Kreativität hinsichtlich einer Ausbildung, bei der Studenten lernen, dass nichts unmöglich ist.

Was ist das Faszinierende an der Urologie?
Die Urologie ist ein chirurgisches Fachgebiet, das sich mit Erkrankungen der männlichen und weiblichen Harnwege sowie der männlichen Geschlechtsorgane befasst. Obwohl die Urologie zwar als chirurgischer Fachbereich gilt, wird vom Urologen auch ein umfassendes Wissen über Innere Medizin, Kinderheilkunde, Gynäkologie und andere medizinische Gebiete verlangt, da die klinischen Probleme bei Patienten hierbei eine große Spannbreite – wie etwa Kinderurologie, urologische Onkologie (Krebs), männliche Unfruchtbarkeit, Calculi (Harnsteine), Urologie der Frau (Harninkontinenz und Störungen bei der Entspannung des Beckenausgangs) oder Neuro-Urologie (Miktionsstörungen, urodynamische Untersuchungen von Patienten mit erektiler Dysfunktion oder Impotenz) – umfassen können.

Urologie …

…    ist ein großartiges Fachgebiet, ein chirurgisches Nebenfach, und ich liebe es, im OP zu sein.
…     verleiht Autonomie und gleichzeitig Verantwortung in einem interdisziplinären Setting.
…     bietet Eigentumsrechte, weil wir von der Diagnose bis zum Ende für den kompletten Zyklus eines Patienten verantwortlich sind.
…     gewährt eine dauerhafte Beziehung zum Patienten, die auf Vertrauen und manchmal Freundschaft baut.
…     macht Sie zum Experten für eine Krankheitseinheit, weil Sie Krankheiten von A bis Z chirurgisch und medizinisch kennenlernen.
…     steht immer an der Spitze von Forschung und Lehre – wir haben den höchsten Impact Factor in chirurgischen Journalen.
…     macht Urologen zu Early Adaptors für Krankheitskonzepte und neue Technologien.
…     dreht sich um Sensibilität und emotionale Intelligenz, da wir durch die Intimität der Erkrankungen oft sehr spezielle Beziehungen zu unseren Patienten aufbauen.
…     umfasst eine große Vielfalt – von großen offenen zu minimalinvasiven Eingriffen, von Jung bis Alt, Mann und Frau, Krebs und gutartige Erkrankungen etc.
Urologen haben einzigartige Persönlichkeiten, die durch das Streben nach Exzellenz und Humor geprägt sind. Urologie ist ein chirurgisches Nebenfach und wird daher von ehrgeizigen, intelligenten und hart arbeitenden Alpha-Persönlichkeiten gewählt. Gleichzeitig gehören wir zu den entspannten, humorvollen Personen im Spital und nehmen uns selbst nicht allzu ernst.
Ich bin mit dem Fachgebiet Urologie gesegnet und halte es mit Konfuzius: „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten“.
Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat, Leiter der Universitätsklinik für Urologie an der MedUni Wien

Kurzbio

Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat forscht und publiziert seit 1997 seine Erkenntnisse im Fachbereich urologischer Onkologie, insbesondere zu Formen und Auswirkungen von Blasenkrebs und Prostatakrebs. Im Jahr 2016 hat er den Google h-index von 100 gebrochen und mehr als 900 peer-review Original-Artikel publiziert. Shariat hält vier Patente zu Blasen- und Prostatakrebs, hat 14 Buchbeiträge verfasst und wird von 25 wissenschaftlichen Gesellschaften als Experte zu Rate gezogen. Des Weiteren ist er im Editorial Board Beirat für 26 Wissenschaftsjournale auf der ganzen Welt. Er ist Preisträger von mehr als 80 nationalen und internationalen Wissenschaftspreisen, u.a. der höchsten Preise der Europäischen (EAU, Matula Award 2014) und Amerikanischen (AUA, Gold Cystoscope 2017) Urologenvereinigungen.

Tipps für Ihre Karriere

  1. Glaube an Dich und Deine Träume!
  2. Misserfolge sind essenziell auf dem Weg zum Erfolg!
  3. Behalte den Respekt und das Mitgefühl gegenüber anderen Menschen!

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