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Abgelenkt

Neue Medien haben eine enorme Ablenkungsmacht. Die Fähigkeit zu konzentriertem Arbeiten und intellektuellen Höchstleistungen – und damit zur beruflichen Weiterentwicklung – geht zunehmend verloren.


FOTO: istockphoto/ andresr

Unkonzentriertes Arbeiten führt häufiger zu Fehlern, die gerade in der Medizin fatale Folgen haben können. Eine neue Methode – „Deep Work“ – plädiert für die Rückeroberung der Zeit für produktive geistige Tätigkeit, frei von Ablenkungen, im Zustand höchster Konzentration und zeigt Wege auf, wie wir aus der Ablenkungsfalle von E-Mail, SMS & Facebook entkommen können.

Denkräume schaffen

Viele bekannte Persönlichkeiten vor allem aus der Kunst- und Kreativszene haben sich systematisch Bedingungen geschaffen, in denen sie voll und ganz in ihr Schaffen eintauchen konnten. Woody Allen gelang es auf diese Weise, in rund 40 Jahren 44 Drehbücher zu schreiben und zu inszenieren, die ihm 23 Oscar-Nominierungen einbrachten. Auch Bill Gates ist bekannt dafür, dass er sich zweimal jährlich zu Denkwochen zurückzog. Diese Vorbilder praktizieren nichts anderes als Deep Work und stehen mit ihrer intellektuellen Produktivität im Kontrast zu den vielen heutigen Wissensarbeitern, die vor lauter Betriebsamkeit die Fähigkeit zu anhaltender Konzentration und geistigem Tiefgang verloren haben. Je mehr Ablenkung, desto fragmentierter die Aufmerksamkeit und desto mehr beschäftigen wir uns mit kognitiv anspruchslosen Tätigkeiten, die notwendig sind, aber keinen herausragenden Wert schaffen.

Surfen ja, aber mit Ziel

Die Fähigkeit zu Deep Work ist notwendig, um schnell und effektiv Neues zu erlernen und damit Grundbedingung für berufliche Weiterentwicklung. Um Spitzenleistungen zu vollbringen, ist ständiges Training der Willenskraft, der „mentalen Muskulatur“ erforderlich. Fangen Sie mit diesem Training gleich in Ihrer Freizeit an: Stehen Sie an der Bushaltestelle oder fahren Sie im Aufzug und können dem Drang kaum widerstehen, das Handy zu zücken und die Zeit zu überbrücken und durch den Social-Media-Feed zu scrollen? Ab sofort nehmen Sie den Moment der Langeweile in Kauf und entdecken Ihre eigenen Gedanken. So lernt das Gehirn, ablenkenden Reizen zu widerstehen. Eine radikale Lösung wäre der vollständige Verzicht auf Onlinemedien, das ist für die meisten von uns nicht machbar. Daher der Deep-Work-Tipp: Überlegen Sie, welchen Nutzen ein bestimmtes Social-Media-Tool hat, und setzen Sie es entsprechend nur zu diesem klar definierten Zweck ein. Im Ergebnis werden Sie weniger online sein, dafür aber zielgerichteter surfen.

Analyse und Tagesplanung

Für die meisten Menschen liegt die Leistungsgrenze bei vier Stunden pro Tag, Deep Work ist also zunächst einmal anstrengend. Beobachten Sie Ihren Tagesablauf, spüren Sie Shallow-Work-Phasen – also das Gegenteil von Deep Work – auf und eliminieren Sie diese so weit wie möglich. Bezogen auf einen achtstündigen Arbeitstag bedeutet das aber, dass Sie die Hälfte der Zeit hoch konzentriert arbeiten und nicht mit Meetings oder Telefonaten verbringen. Dabei kann es helfen, den Arbeitstag über einige Wochen hin konsequent schriftlich durchzuplanen. Ein 30-Minuten-Raster mit Erholungsphasen und Pausen soll aufzeigen, dass es keine unverplante Minute im Tagesablauf gibt. Das wird anfangs mitunter nicht einfach, doch arbeiten Sie an einer laufenden Optimierung und es wird immer besser gelingen.

Oberstes Gebot: Konzentration

Die wichtigste Deep-Work-Regel ist die Konzentration. Dafür gibt es unterschiedliche Ansätze: Die mönchische Deep-Work-Philosophie ist der radikalste Ansatz, hilft aber, sich über lange Zeit hoch konzentriert in Arbeit zu vertiefen. Dabei schotten Sie sich bewusst gegen jegliche Ablenkung ab, kein Telefon, kein E-Mail und kein Internet. Die Tür bleibt geschlossen, Störungen sind nicht erlaubt. Einfacher geht es oft mit der „bimodalen“ Deep-Work-Philosophie, die eine strikte zeitliche und örtliche Trennung zwischen Deep-Work-Phasen und anderen Tätigkeiten vorschreibt. Der Psychologe C. G. Jung zog sich zum Beispiel aus seiner Praxis in Zürich regelmäßig in ein abgelegenes rustikales Steinhaus im Wald zurück, um an seinen Werken zu arbeiten.
Die rhythmische Deep-Work-Philosophie integriert konzentrierte Phasen als wiederkehrendes Muster in den Alltag. Nehmen Sie sich ein Tagesziel vor – etwa jeden Tag zehn Seiten einer Forschungsarbeit oder Fachpublikation zu schreiben – und wenn das gelingt, kommt ein großes X auf Ihren Kalender. Die Fortschritte sichtbar machen motiviert, neue Gewohnheiten zu etablieren.
Ein weit effektiverer Weg zu konzentrierter geistiger Arbeit sind Rituale: Große Denker folgen in ihrem Schaffen oft strikten Regeln und Gewohnheiten. So ist von Charles Darwin überliefert, dass er jeden Morgen um sieben Uhr aufstand, von acht bis halb zehn in seinem Arbeitszimmer verschwand, dann andernorts eine Stunde Briefe las und von halb elf bis zwölf noch einmal ins Arbeitszimmer ging. Danach flanierte er auf einem festgelegten Pfad durch den Garten und dachte nach. Wenn er mit dem Ergebnis zufrieden war, beendete er seinen Arbeitstag. In diesem Modus entstand sein Hauptwerk „Die Entstehung der Arten“. Rituale sind für Deep Work unersetzlich, erfordern aber sehr individuelle Lösungen. rh

Tipps für konzentriertes Arbeiten

  1. Legen Sie den genauen Zeitraum und den Ort fest: ein ruhiger Arbeitsplatz, der hoch konzentrierten Arbeitsphasen vorbehalten ist, sowie klare zeitliche Grenzen.
  2. Folgen Sie bei der Arbeit einer festen inneren Struktur. Eine immer gleiche Art und Weise zu arbeiten entlastet das Gehirn von ständiger Neuplanung.
  3. Unterstützen Sie Ihre mentale Spannkraft, etwa mit einer Tasse Tee oder einem ansprechenden Arbeitsplatz, der Sie inspiriert.

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