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Die jungen Primare

Manche Arztkarrieren sind erstaunlich. Wenn sich als Chef einer Abteilung ein junger Mediziner vorstellt, dann fragt man sich unwillkürlich, was es braucht, um in einem solchen Tempo Karriere zu machen. Prim. PD Dr. Stephan Hruby, Abteilung für Urologie, Tauernklinikum, ist der jüngste Primar Salzburgs.


Prim. PD Dr. Stephan Hruby, Abteilung für Urologie, Tauernklinikum. FOTO: Tauernklinikum

?Warum haben Sie sich für ein Medizinstudium und im Speziellen für Ihr Fach entschieden?
Mich hat schon von Kind an die Anatomie des Menschen fasziniert. Schon ganz zu Beginn des Studiums wusste ich, dass ich ein chirurgisches Fach erlernen will. Mein erster urologischer Lehrer Prof. U. Maier entfachte schließlich im Rahmen einer Famulatur früh das Feuer für die Urologie in mir. Die hochkomplexen Eingriffe, die große Bandbreite und das Überblicken eines gesamten Organgebietes finde ich bis heute faszinierend. Darüber hinaus ist die Urologie seit jeher auch technisch eines der innovativsten Fächer.

?Hatten Sie einen Karriereplan?
Wie bereits erwähnt, wurde in mir bald das Feuer für Urologie und das Operieren entfacht. Ich habe bewusst auf eine passende Stelle für Urologie gewartet, ich wollte operativ viel lernen und eine breite Basisausbildung haben. Nach meiner Turnuszeit in Ried im Innkreis war ich Transplantkoordinator für Leber und Niere in Wien. Hier waren vor allem organisatorische Skills und Resilienz gefordert. Diese Zeit und mein damaliger Chef Prof. Mühlbacher prägten mich nachhaltig. Dennoch wollte ich Urologie machen und fand schließlich 2005 meine passende Stelle bei Professor Höltl im Kaiser-Franz-Josef-Spital. Ich wusste aber immer schon, dass ich einerseits meine akademische Laufbahn weiterverfolgen und habilitieren möchte, und andererseits, dass ich in jedem Fall eine leitende Position anstrebe, in der ich selbst gestalten kann.

?Gab es einen Zeitpunkt, ab dem Sie sehr bewusst die Position des Primararztes angepeilt haben?

Dieses Ziel war schon früh vorhanden. Auch die Ausbildung junger Kollegen machte mir immer großen Spaß. Gemeinsam mit meinem Kollegen Doz. M. Marszalek gründete ich 2009 die Austrian School of Urology. Mittlerweile läuft dieses Projekt im neunten Jahr und ist offizieller Teil der österreichischen Gesellschaft für Urologie geworden. Weiters gründeten wir die Plattform „Young Urology“ und gaben auch ein gleichnamiges Journal heraus. Auf europäischer Ebene war ich für drei Jahre Vorsitzender der European Society for Residents in Urology und konnte maßgeblich deren Integration in die European Association of Urology mitgestalten. Dieses Netzwerk ist bis heute sehr wertvoll. 2010 führte mich mein Weg schließlich an die Uniklinik Salzburg zu Prof. Janetschek. Dieser ermöglichte mir, mich einerseits zu habilitieren und andererseits, mich klinisch und operativ zu entwickeln. 2014 wurde ich zum leitenden Oberarzt und 2016 auch zum Interimsleiter der Abteilung. Als sich dann die Chance ergab, die junge Abteilung in Zell am See weiter aus- und aufzubauen, musste ich nicht lange überlegen.

?Würden Sie etwas anders machen, wenn Sie heute noch einmal am Anfang Ihrer Karriere stünden?

Bestimmt! Wenn ich gewusst hätte, wie schön das Salzburgerland ist, hätte ich mich schon früher um eine Stelle hier beworben (lacht). Meinen jungen Kollegen rate ich, gut vorrauszuschauen, zu fokussieren und dabei das große Bild nie aus den Augen zu verlieren. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt und viele Wendungen und Chancen ergeben sich oft scheinbar zufällig. Präsenz und Leidenschaft im Jetzt und das Ziel im Kopf – wo will ich in fünf bis zehn Jahren sein –, das gilt beruflich wie auch privat, zum Beispiel im Sport.

?Was muss ein guter Primar mitbringen? Welche Skills sind ein absolutes Muss?
Aktuell absolviere ich gerade ein berufsbegleitendes MBA-Studium in Salzburg. Das hat meinen Horizont spürbar erweitert und das kann ich auch nur wärmstens empfehlen. Ich denke aber, dass an der Spitze einer Abteilung ein Arzt als Manager stehen muss. Mein Vater hat einmal einen tollen Artikel geschrieben über den Arzt als General Manager. Dabei hat er die 64 Basisaufgaben eines Abteilungsvorstands definiert. Letztlich stehen für die Qualität die Patientenorientierung und die ungeteilte Letztverantwortung im Mittelpunkt. Beides sind Faktoren, die ohne Fachkompetenz nicht möglich sind. Ein Abteilungsleiter muss ein guter Kommunikator sein, er muss Empathie für Patienten wie auch Mitarbeiter haben, eine hohe Resilienz und die Fähigkeit, eine sachliche Distanz aufzubauen. Primarärzte müssen Mediatorqualitäten haben und sich immer ihrer Vorbildwirkung bewusst sein. Selbstreflexion ist wichtig und man sollte sich auf die Besonderheiten jüngerer Generationen einstellen können. Man muss die Leute dort abholen, wo sie sind. Weiters gehören Patientenorientiertheit und eine wertschätzende Unternehmenskultur dazu. Einer der wichtigsten Faktoren ist aber die Begeisterungsfähigkeit und deren Weitergabe.  

?Wie gehen Sie mit Druck um, der auf Ihnen als Primar lastet?
Der Druck ist immer so hoch, wie man ihn sich macht. In schwierigen Zeiten ist es noch wichtiger, ein gutes Team zu haben. Es ist wichtig, sich eine positive Einstellung zu bewahren und zu priorisieren. Meine Frau ist oft die Stimme, die mich daran erinnert, auf das bereits Erreichte, das Gute zu blicken. Das hilft mir sehr. Mit einer positiven Einstellung lässt sich das Vertrauen der Mitarbeiter aufbauen, dazu gehört ein offenes Gesprächsklima, eine gute Kommunikation mit allen Bereichen– Ärzten, Pflege, Verwaltung und Technik .

?Wie sehen Sie das Image von Primarärzten in der österreichischen Öffentlichkeit?
Ich hoffe, es ist ein gutes! Der Großteil der 64 Aufgaben eines leitenden Arztes geschieht im Verborgenen, oft auch außerhalb der Dienstzeit. Primararzt zu sein ist ein 24/7 Job. Mein Wunsch ist, dass unsere Patienten sehen und auch schätzen, wie wichtig der Arztberuf im Allgemeinen ist. Primar zu sein bedeutet, nicht nur für alle Patienten unserer Abteilung die Letztverantwortung zu haben, sondern auch Verantwortung für Mitarbeiter, und Teil des Gesundheitssystems in Österreich zu sein.

?Welche Pläne haben Sie noch für Ihren weiteren Berufsweg?
Pläne und Ideen habe ich immer ausreichend viele. Meine Vision der „personalisierten Urologie“ will ich gemeinsam mit meinem Team weiter umsetzen und ausbauen. Das steht für die Abteilung an erster Stelle. Außerdem will ich in einem Jahr mit meinem MBA-Studium fertig sein, das ist mein persönliches Ziel. Privat möchte ich möglichst viele Momente mit unserer kleinen Tochter verbringen. Denn ohne den familiären Rückhalt wäre mein Weg so nicht möglich gewesen. bw


LEITERIN/LEITER FÜR DAS PRIMAT INNERE MEDIZIN

Bezirkskrankenhaus Reutte/Tirol [zur Ausschreibung]

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ÄRZTLICHE/R LEITER/IN

Reha-Klinik für Seelische Gesundheit und Prävention GmbH [zur Ausschreibung]

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ÄRZTLICHE LEITUNG M/W/D UND EINE/N ARZT FÜR ALLGEMEINMEDIZIN BZW. FACHARZT M/W/D 

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ÄRZTLICHE LEITUNG / ARZT / ÄRZTIN 

Badenerhof Gesundheits- und Kurhotel, Baden bei Wien [zur Ausschreibung]

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OBERÄRZTIN/ARZT FÜR KINDER UND JUGENDPSYCHIATRIE/PSYCHOTHERAPIE (KPJ) 80%

Spitalzentrum Oberwallis (SZO), 3900 Brig [zur Ausschreibung]

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