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Forschung schärft den „kritischen Blick“

Der Augenchirurg Primar Univ.-Prof. Dr. Oliver Findl hielt kürzlich als erster Österreicher die renommierte Binkhorst-Lecture in den USA.


„Nur wer selbst die Erfahrung in der Forschung gemacht hat, findet einen naturwissenschaftlichen Zugang zu unserem Fach. Medizin ist keine Kunst, sondern muss evidenzbasiert arbeiten.“ Primar Univ.-Prof. Dr. Oliver Findl. FOTO: ASCRS

In der internationalen Augenheilkunde gilt es als eine der höchsten Auszeichnungen, bei der Eröffnung des jährlichen Kongresses der American Society of Cataract and Refractive Surgery (ASCRS) in Washington diesen Part zu übernehmen. Findl ist Leiter der Abteilung für Augenheilkunde im Hanusch-Krankenhaus der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) und ist nicht nur der erste Österreicher, sondern auch erst der fünfte Europäer, der seit 1975 die „Binkhorst-Lecture“ hielt. Im Anschluss an seine Rede erhielt der Wiener Mediziner auch die renommierte „Binkhorst-Medaille“ überreicht. Cornelius D. Binkhorst, MD (1912-1995) war ein Pionier der künstlichen Augenlinsen. Die Auszeichnung erhielt Findl nicht für eine bestimmte Forschungsarbeit, sondern für sein Lebenswerk in der Augenheilkunde.

Findl gilt international als Spezialist für Linsenchirurgie. Neben der Abteilung für Augenheilkunde des Hanusch-Krankenhauses leitet er auch das ebenfalls hier angesiedelte Karl-Landsteiner-Institut VIROS (Vienna Institute for Research in Ocular Surgery). Seit 2013 ist er zudem Generalsekretär der European Society of Cataract & Refractive Surgeons (ESCRS), der größten Europäischen Augen-Gesellschaft.

?Wie wichtig ist Forschung für junge Mediziner?
In meiner Abteilung ist das Arbeiten in der Forschung ein wichtiges Auswahlkriterium für einen Job. Junge Kollegen sollen ein Doktorratsstudium anschließen, bei dem sie Erfahrung in der Forschung sammeln und erst danach rücken sie für freie Ausbildungsstellen nach. Ich sehe das als wichtige Basis, um auch einen kritischen Blick auf die Evidenz zu erhalten, mit der wir laufend konfrontiert werden. In unserer Abteilung gibt es zum Beispiel regelmäßig einen „Journal Club“, im Rahmen dessen werden Publikationen gemeinsam diskutiert und kritisch analysiert. Nur wer selbst die Erfahrung in der Forschung gemacht hat, findet einen naturwissenschaftlichen Zugang zu unserem Fach. Medizin ist keine Kunst, sondern muss evidenzbasiert arbeiten.

?Wie attraktiv wird es hierzulande jungen Medizinern gemacht, in der Forschung aktiv zu sein?
Leicht ist es nach wie vor nicht. Auf den Unikliniken ist das Umfeld schon auf Forschung ausgelegt, aber in den meisten Spitälern dominiert der Patientenbetrieb. Es gibt leider viele Augenabteilungen, an denen nur sehr wenig oder gar keine Möglichkeit besteht zu forschen. Das finde ich schade, denn hier wird ein Bereich, der auch für die Patienten enorm wichtig ist, einfach ausgeblendet. Ich habe versucht, meine Abteilung so zu führen, dass auch ein Forschungsinstitut angegliedert ist. Hier arbeiten sechs angestellte Mitarbeiter ausschließlich in der klinischen Forschung. Mit meinem Forschungsteam widme ich mich unter anderem der weiteren Verbesserung des Operationsergebnisses bei Katarakt durch Messungen am Auge während der Operation. Dazu wurde ein spezielles OCT-Operations-Mikroskop als Prototyp entwickelt. Damit kann eine optische Kohärenztomografie während der Operation durchgeführt werden.
?Wie wird diese Forschung finanziert?
Ausschließlich durch externe Drittmittel, die ich aufstellen muss. Auch beim Nationalbankfonds oder Wissenschaftsfonds FWF reichen wir Projekte ein, aber hier ist die Ablehnungsrate sehr hoch. Dennoch bin ich stolz, dass wir hier eine wirklich tolle Forschungsinfrastruktur bieten können und auch vonseiten der Wiener Gebietskrankenkasse dieses Vorhaben unterstützt wird. Zum Glück gibt es auch Interesse aus der Industrie, die für ihre Medizinprodukte und Medizintechnik die Studien ebenfalls benötigt.

?Sie kooperieren vorwiegend mit internationalen Firmen, warum nicht mit heimischen?
Wir arbeiten in einem Hochtechnologiesektor, da gibt es schlichtweg in Österreich keine Firmen. Unsere Partner sind in Deutschland, der Schweiz oder den USA. Auch im Bereich der Kunstlinsen gibt es keinen österreichischen Hersteller.

?Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Forschung, speziell in Ihrem Umfeld?
Forschung besteht immer aus kleinen Schritten. Hat man Ergebnisse, versucht man international zu publizieren und die nächsten Schritte zu gehen. Diese kleinen Meilensteine sind wichtig für die wissenschaftliche Evidenz – also zu zeigen, dass das, was wir beforschen, auch Hand und Fuß hat. Die eigene Arbeit ist immer als Mosaiksteinchen in einem Gesamtbild zu sehen. Viel mehr kann und sollte man sich auch nicht erwarten. Selbst wenn man eine gute Idee hat und diese dann in einem marktfähigen Produkt umsetzen kann, benötigt man viel Glück. rh

Augenabteilung Hanusch-Krankenhaus

Die Augenabteilung des Hanusch-Krankenhauses ist eine der größten Fachabteilungen Österreichs. 2017 wurden hier allein rund 8.400 Katarakt-Operationen durchgeführt, was die höchste Zahl eines Zentrums in Österreich darstellt. Dazu kommt noch eine Vielzahl an anderen Eingriffen an den Augen. In der Versorgung der Patienten arbeitet das Hanusch-Krankenhaus eng mit den Augenambulanzen der WGKK-Gesundheitszentren zusammen.


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