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Initiative für Fairness und Respekt im Spital

Ein Präzedenzfall, der sich rund um eine Chirurgin an der Medizinischen Universität Wien drehte, gab die Initialzündung für eine Initiative, die einmal mehr das Thema Mobbing im Medizinerumfeld unter die Lupe nimmt.


Univ.-Prof. Dr. Adelheid End, Mag. Manfred Hoza, Dr. Walter Kirchweger

Die Thoraxchirurgin Ao. Univ.-Prof. Dr. Adelheid End fühlte sich als eine der damals wenigen Frauen in einer erklärten Männerdomäne zusehends in ihrem Berufsalltag und ihrer Karriereplanung eingeschränkt. Sie erlebte über einige Jahre benachteiligende und diskriminierende Handlungen vonseiten Vorgesetzter wie etwa unter anderem „das Hinausdrängen aus dem Operationsprogramm, öffentliche Herabsetzungen, Vorenthalten von Informationen, Negieren von Anfragen, falsche Anschuldigungen, Rückstufung bei Sonderklasse-Gebühren oder auch Verweigerung von Mitarbeitergesprächen“, wie End schildert. Daraufhin leitete sie rechtliche Schritte in Form einer Amtshaftungsklage ein. Im Laufe des Prozesses beklagte End für sie schädigende Maßnahmen des Dienstgebers wie etwa eine Dienstfreistellung von einem Tag auf den anderen, die nach einem Jahr wieder aufgehoben wurde. Auch sei versucht worden, sie in Frühpension zu schicken. Aktuell könne End nach wie vor nicht qualifikationsadäquat tätig sein. „Ich finde es unfassbar, dass engagierte Ärzte – und ich bin kein Einzelfall – kaltgestellt werden, nur weil sie im Sinne der Patienten kritisch Dinge ansprechen, sich nicht an Machtspielen beteiligen, als Chirurgen ein Mindestmaß an Operationen fordern, damit sie ihre Qualifikation nicht verlieren, und es wagen, eine wertschätzende Kommunikation zu thematisieren“, hält die Medizinerin fest.
Die Chirurgin klagte die Republik Österreich und die MedUni Wien. Nach fünfeinhalb Jahren Verhandlungsdauer hatten die Beklagten im Oktober 2015 die Abweisung der Klage wegen Verjährung beantragt, da das beklagte Mobbing bereits vor 2006 begonnen habe. Das Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien stellte fest, dass keine Verjährung bestehe, da „ausgehend von den Klagsbehauptungen eine fortgesetzte Schädigung vorläge und ab 2007 weitere Vorfälle nach Vorbringen der Klägerin stattgefunden haben“. Das Zwischenurteil ist nicht rechtskräftig. Die Republik und die MedUni Wien legten Berufung ein.

Die Initiative

Mehrere Mobbing-Fälle ähnlich dem obengenannten bewegten nunmehr eine Gruppe Mediziner und Juristen dazu, eine eigene Anlaufstelle für Mobbing-Betroffene im Spitalsbereich zu gründen. Die Interessensgemeinschaft „Faire Medizin“ ist eine unabhängige, überparteiliche Plattform und setzt sich für einen fairen Umgang zwischen allen im Spital tätigen Berufsgruppen und für einen respektvollen Umgang mit Patienten ein. Die Gründungsmitglieder der IG „Faire Medizin“, Dr. Adelheid End, Mag. Manfred Hoza und Dr. Walter Kirchweger, standen Karriere Medizin Rede und Antwort:.

? Auf wessen Initiative geht die Gründung der Interessensgemeinschaft „Faire Medizin“ zurück?
Die IG wurde von der Ärztin Dr. Adelheid End, dem Juristen Mag. Manfred Hoza und dem Arzt Dr. Walter Kirchweger gegründet. Anlass für die Gründung der IG Faire Medizin war, dass sich nach medialem Bekanntwerden des Falles von Dr. End zeigte, dass dies kein Einzelfall ist, sondern es viele Mobbing-Betroffene im Spitalsbereich gibt. Die IG definiert sich als unabhängige, überparteiliche Plattform von Menschen, denen Zivilcourage, Verantwortung und Gerechtigkeit ein Anliegen sind. Sie fungiert als Anlaufstelle für Mobbing-Betroffene und Zeugen von Mobbing im Spitalsbereich und will Unrecht sichtbar machen.

? Sind darin alle im AKH tätigen Berufsgruppen vertreten oder beschränkt sich die Plattform auf Ärzte?
Die IG ist eine Anlaufstelle für alle Berufsgruppen im Spital. Sie setzt sich für einen fairen Umgang zwischen Ärzten und allen im Spital tätigen Berufsgruppen ein.

?Sind auch Patienten­vertreter bei „Faire Medizin“ engagiert?
Patientenanwälte oder Vertreter von Patienten-Selbsthilfegruppen sind nicht vertreten. Die IG setzt sich für einen respektvollen Umgang mit Patienten ein.

?Seit wann gibt es die Interessensgemeinschaft und wer beschäftigt sich hier mit durchschnittlich wie vielen Fällen?
Die Gründung erfolgte im November 2015. Bisher haben die Gründungsmitglieder und das Anwaltsteam um Dr. End über 40 Mobbing-Fälle erfasst. Der Bedarf an juristischen Ratschlägen ist groß. Die meisten – oftmals traumatisierten – Personen benötigen eine unabhängige, unbefangene und der absoluten Verschwiegenheit unterliegende Anlaufstelle und bevorzugen den direkten Kontakt mit Juristen, nachdem sie im System keine Hilfe erfahren haben. Es gibt auch Personen, die Beobachtungen zu Mobbing-Handlungen gegenüber Dritten gemacht haben und sich als Zeugen zur Verfügung stellen. Alarmierend ist, dass Betroffene mitunter durch Anwälte (re)traumatisiert werden, sei es aufgrund eines unempathischen Umganges und/oder einer hohen Honorarforderung für ein Erstgespräch, das sich Menschen im sozialen Abseits nicht oder nur schwer leisten können. Auch der Austausch über den Ablauf von Prozessen und die traumatischen Erfahrungen vor Gericht sind ein großes Thema. Entlastend wirken direkte Gespräche unter den Betroffenen, wobei eine Vernetzung nur auf ausdrücklichen Wunsch und nur in beiderseitigem Einverständnis erfolgt. Kooperation besteht auch mit der Selbsthilfegruppe Mobbing Graz und mit Betroffenen aus ganz Österreich, die Verfahren in Zusammenhang mit Mobbing und/oder Diskriminierung führen. Unabhängige Ansprechpartner für Betroffene aus dem Spitalsbereich sind derzeit der Jurist Mag. Manfred Hoza und die Rechtsanwälte Mag. Franz Karl Juraczka und Dr. Christoph Gottesmann, wobei der Anwaltspool für eine Erweiterung offen ist.

?Welche Themen neben Mobbing greift die Plattform noch auf?
Die IG setzt sich ein für

  • die Aufnahme von Mobbing als Straftatbestand in das StGB wie Stalking und Cybermobbing.
  • die Erstellung einer Statistik über Anträge auf Schadenersatz wegen Mobbings bzw. Diskriminierung. Diese Anträge sollen bei Rechtsträgern, die der Kontrolle des Rechnungshofes unterliegen, und beim Rechnungshof selbst, mit Angabe der Forderungen, der konkreten Verfahren und der beim Rechtsträger verursachten Kosten veröffentlicht werden.
  • die Verlängerung der zivilrechtlichen Verjährungsfrist für Mobbing auf zumindest zehn Jahre (wie die strafrechtliche Verjährungsfrist bei absichtlicher schwerer Körperverletzung gemäß § 87 StGB), insbesondere weil Betroffene vorerst wegen psychischer Beeinträchtigung oft handlungsunfähig sind, und Zeugen meist erst dann aussagen, wenn sie nicht mehr beim Dienstgeber beschäftigt sind.
  • die Sensibilisierung der Richter und Staatsanwälte für das Thema Mobbing.

? Derzeit hat das AKH mit einem schlechten Ruf bezüglich des Arbeitsklimas zu kämpfen. Was wird dagegen noch unternommen?
In der Öffentlichkeit erfährt man wenig, was im AKH vonseiten der Führung der Teilunternehmung AKH bzw. der MedUni Wien unternommen wird. Diverse Kurse der Stabsstelle Personalentwicklung zur Gesundheitsförderung und zum Umgang mit Konflikten werden angeboten. In den Medien gab es Ende letzten Jahres eine Ankündigung des Rektors, dass jeder Mobbing-Fall geprüft werde. Viele, die unter dem schlechten Arbeitsklima leiden, greifen zur Selbsthilfe, in dem sie extern ihre Ressourcen stärken, versuchen Resilienz aufzubauen bzw. sich in den Privatbereich „flüchten“, um dann den Arbeitsalltag bewältigen zu können. Oft wird psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen. Über etwaige Aktivitäten des Betriebsrates, das schlechte Arbeitsklima in den Griff zu bekommen, erfährt man kaum etwas. Da die Betriebsräte einer Verschwiegenheit unterliegen und die Effektivität zu helfen gering ist, suchen viele Betroffene externe Hilfe, sofern sie nicht resignieren, geschützte Nischen finden oder notgedrungen die Abteilung wechseln bzw. das AKH verlassen.

? Geht der Trend hinsichtlich des Wunsch-Arbeitgebers weg von großen Spitälern hin zu kleineren?
Sicher ist das Arbeitsumfeld/-klima – egal ob Groß- oder Kleinspital – von großer Bedeutung. Vor Kurzem hat ein deutscher Besucher von Österreichs größtem Spital verwundert angemerkt, dass er beim Hineingehen nur „verbiesterte“ Gesichter gesehen habe. Von einem kleineren Spital in der Nähe wurde rezent berichtet, wie freundlich und engagiert das Personal wäre. Es gibt Indizien, dass kleinere Einheiten gegenüber der Anonymität von Großspitälern bevorzugt werden. Der Wunsch­arbeitgeber bei Ärzten ist eine integre, engagierte Persönlichkeit mit Vorbildwirkung, der auf seine Mitarbeiter schaut, sie fördert, sie gegenüber Willkürhandlungen des Managements verteidigt und – last not least – auch auf eine faire Verteilung der Sonderklassegelder an die mitberechtigten Ärzte achtet.

? Was würden Sie sich wünschen, um das Klima im Haus zu verbessern? Welche Wünsche gehen dabei an Kollegen, Vorgesetzte, Management, Politik etc.?
Der ultimative Wunsch wäre, wenn sich alle Berufsgruppen im Spital (wieder) darauf besinnen, wer im Mittelpunkt des Interesses stehen sollte: nämlich der Patient mit seinen Bedürfnissen. Abschaffen der Mehrklassenmedizin, Handeln anstatt Gründen von ineffektiven Arbeitsgruppen, Einschalten des Hausverstandes statt abgehobenes juristisches, kaufmännisches und theoretisch-ethisches Denken. Die Politiker sollen Strukturen schaffen, in denen die Berufsgruppen im Spital ihren eigentlichen Aufgaben effektiv und sinnerfüllt nachgehen können.

? Was würden Sie einem Arzt raten, der sich gemobbt fühlt?
Sich mit anderen Personen austauschen, Hilfe in jedweder Form in Anspruch nehmen, die Mobbing-Handlungen sichtbar machen – „Gewalt braucht Öffentlichkeit“–, jede offizielle Anlaufstelle wie Betriebsrat etc. kontaktieren und um Hilfe ersuchen, auf dem Dienstweg die Vorgesetzten informieren und die Vorfälle dokumentieren. Eine Vernetzung von Betroffenen, die das System kennen, ist essenziell. Die Kenntnis von Hintergründen, Lobbys, politischen Gegebenheiten kann zum Verstehen des Geschehens und der Auslöser beitragen. Da oftmals durch die Abhängigkeiten im System keine effiziente Hilfe möglich ist, sollte früh auch juristischer Rat eingeholt werden. Hier kommt es natürlich darauf an, wie gut sich ein Anwalt mit Mobbing oder Diskriminierung auskennt, wie unabhängig und engagiert er ist, und ob er optimalerweise mit den Strukturen der Institution und deren Lobbys vertraut ist. bw
www.faire-medizin.at

Mobbing-Stelle der Ärztekammer für Wien

Ansprechpartnerin: Dr. Brigitte Schmidl-Mohl, schmidl-mohl(at)aekwien.at, Tel.: 01/51501-1256, www2.aekwien.at/referate/details.php?id=89


ABTEILUNGSVORSTAND (M/W)

Evangelisches Krankenhaus Wien [zur Ausschreibung]

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FACHÄRZTIN BZW. FACHARZT FÜR ANÄSTHESIOLOGIE UND INTENSIVMEDIZIN

AUVA Landesstelle Graz [zur Ausschreibung]

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LEITENDER ARZT FÜR INNERE MEDIZIN, RHEUMATOLOGIE, PHYSIKALISCHE MEDIZIN

Züricher RehaZentrum Wald [zur Ausschreibung]

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ÄRZTIN/ARZT FÜR ALLGEMEINMEDIZIN BZW. FACHÄRZTIN/FACHARZT 

Vivea Gesundheitshotels [zur Ausschreibung]

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LEITENDE/N ÄRZTIN/ARZT 100%

Spitalzentrum Oberwalls [zur Ausschreibung]

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ÄRZTINNEN/ÄRZTE FÜR ALLGEMEINMEDIZIN BZW. INTERNISTINNEN/INTERNISTEN

kfa / Sanatorium Hera [zur Ausschreibung]

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Kooperationspartner