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„Man kann nicht Arzt von 8.00 bis 16.00 Uhr sein“

Junge Ärzte sind wählerischer geworden, wenn es um die Fortbildung geht. Mit welchen Herausforderungen dieser Mindset in der Praxis verbunden ist, erklärt Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, Generalsekretär des VLKÖ.


Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, Generalsekretär des VLKÖ. Foto: istockphoto/ Brian A. Jackson

Wo liegen aktuell die großen Herausforderungen in der Ärzte­ausbildung?
Wir haben aktuell eine Reduktion der Ausbildungszeit um gut 20 % erlebt. Was früher in acht Jahren zu absolvieren war, muss heute in sechs Jahren passieren. Dazu kommt das neue Arbeitszeitgesetz für Ärzte, das eine massive Reduktion der Arbeitszeit gebracht hat. Das Ergebnis ist, dass in manchen Bereichen weder die Fertigkeiten erlernt noch die Fallzahlen erreicht werden können. Man kann nicht mit Arbeitszeiten von 8.00 bis 16.00 Uhr Arzt sein und gleichzeitig alles genauso erlernen wie früher!

Gibt es einen Ausweg?
Ich denke, dass man jungen und älteren Ärzten nicht das Gleiche abverlangen kann. Wer jung ist und noch lernen muss, der wird wohl auch mehr Zeit investieren müssen, öfter Nachtdienste machen und mehr Stunden am Patienten arbeiten. Ältere Ärzte, die hier routiniert sind, können durchaus ein wenig leiser treten.
Eine weitere Forderung wäre, Ausbildungsverantwortliche einzusetzen. In den USA gibt es diese Ärzte, die sich hauptverantwortlich um den Nachwuchs kümmern, und zwar nicht nur organisatorisch, sondern wirklich hands on mit ihnen arbeiten und vorzeigen, wie bestimmte Eingriffe funktionieren. Das wäre hierzulande durchaus möglich. Wir hätten genug Ärzte, jedoch passt die Verteilung nicht. Wenn wir Leistungen zentralisieren würden, hätten wir auch diese Kapazitäten – plakativ gesprochen. Wir haben ja auch nicht in jedem kleinen Ort einen Supermarkt, warum muss es dann überall ein Spital geben …

Wie viel Holschuld ist Aus­bildung?
Junge Menschen werden heute vom Kindergarten weg bis zum Ende ihrer Ausbildung in sehr engem Rahmen geführt und daher oft auch im Studium noch sehr unmündig behandelt. Es ist kaum verwunderlich, dass dann der Gedanke, sich um etwas bemühen zu müssen oder sich etwas aktiv holen zu müssen, eher fern liegt. Ich möchte das der Generation auch gar nicht vorwerfen, sondern sehe da auch die Schuld bei denen, die diese Generation hervorgebracht haben. Fest steht, dass viele gelenkt werden wollen und sich im Freiraum schlecht bewegen können. In die Forschung bringe ich viele junge Mediziner gar nicht, weil sie das weder im Studium gelernt haben noch bereit sind, Extra-Zeit – über ihre Studienanforderung hinaus – zu investieren oder die Zeit bekommen. Die meisten wollen sehr klare Karrierepläne und Meilensteine wissen, wenn sie bei uns einsteigen. Daher haben wir in Graz auch Ausbildungspfade eingerichtet, als Reaktion auf diese neuen Anforderungen.

Welche Anforderungen stellen die jungen Ärzte an die Ausbildner? Sind die „fordernd“?
Das ist unterschiedlich und man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Was ich deutlich beobachte, ist, dass die meisten nicht mehr bereit sind, am Wochenende oder außerhalb der regulären Dienstzeit auf Fortbildung zu gehen. Das heißt aber nicht, dass ihnen das Interesse am Beruf fehlt, sondern einfach, dass die Work-Life-Balance Priorität hat. Da die Spitäler wenig Budgets für Fortbildung haben, sind die jungen Ärzte auch wählerischer geworden.

Welche Vorschläge hat der VLKÖ, um die Situation zu verbessern?
Der VLKÖ bietet eine einzigartige Plattform, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Es wird uns zunehmend bewusst, dass es das Generationenproblem gibt und gleichzeitig ein Umbruch in der Wissensvermittlung sowie der Arbeitsethik stattfindet. Als Führungskraft werde ich nicht unbedingt vom Betriebsrat vertreten (was verständlich erscheint) und es ist enorm wichtig, dass der VLKÖ diese Rolle übernimmt und Primarärzte zum Beispiel mit Rechtsberatungen Unterstützung bietet. rh

Der VLKÖ

ist die Plattform leitender Ärzte im Gesundheitswesen. Sie hat engen Kontakt zu über 1.500 Ärzten in Führungspositionen und vertritt deren Anliegen und Interessen. Eines der Hauptanliegen des Verbandes ist es, gesundheitspolitische Themen voranzutreiben, um neue, dringend benötigte Lösungsansätze für Probleme, mit denen sich Primarärzte im Berufsalltag konfrontiert sehen, zu diskutieren und so auch zu Verbesserungen beizutragen. Die Mitglieder des VLKÖ verfügen über hohe fachliche Expertise und Kompetenz hinsichtlich ihrer Organisation und über sehr gute Kenntnis des österreichischen Gesundheitswesens. Damit stellt der Verband eine informative Plattform von Primar- und OberärztInnen dar. Durch die enge Zusammenarbeit mit allen wichtigen medizinischen Fakultäten, Akademien und Gesundheitsinstitutionen hat der Verband einen weitreichenden Einblick in das ärztliche Gesundheitswesen der Krankenhäuser und arbeitet stets auch an einer soliden Zusammenarbeit mit der niedergelassenen Kollegenschaft. www.leitendekrankenhausaerzte.at


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OBERÄRZTIN/ARZT FÜR KINDER UND JUGENDPSYCHIATRIE/PSYCHOTHERAPIE (KPJ) 80%

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