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Mentoren, Methoden und Mikrobiome

Prim. Prof. PD Dr. Arnulf Ferlitsch (43), Facharzt für Innere Medizin, hat im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien die neu geschaffene Abteilung für Innere Medizin I, Gastroenterologie und Nephrologie, übernommen.


Prim. Prof. Priv.-Doz. Dr. Arnulf Ferlitsch, Innere Medizin I, Abteilung für Innere Medizin, Gastroenterologie und Nephrologie, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien. FOTO: Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien

Im Gespräch erzählt er über Karrierewege, die richtigen Mentoren, neue Wege in der Gastroenterologie und Hepatologie sowie Zukunftsaussichten seines Faches.

?Warum haben Sie sich für ein Medizinstudium, im Speziellen die Innere Medizin, entschieden?
Ein wichtiger Faktor für diese Entscheidung war sicherlich eine gewisse medizinische Vorbelastung, denn mein Vater war Internist mit Landarztpraxis, heute ist er pensioniert. Ich habe dadurch schon früh erkannt, was mich an der Inneren Medizin fasziniert: das Detektivische in der Diagnostik, das Umfassende in der Therapie, die Wertschätzung, die man als Arzt erfährt, und dass dieser sehr soziale Beruf so positiv besetzt ist.

?Wie kam es dann zur Entscheidung für Gastroenterologie und Hepatologie?
Die Innere Medizin finde ich insgesamt sehr faszinierend. An der Universitätsklinik habe ich festgestellt, dass auch wissenschaftliche Überlegungen dazu höchst spannend sind. Ich bin ein klinisch orientierter Mensch und habe mich an verschiedenen Abteilungen beworben. In der Gastroenterologie hat dann aber einfach alles gepasst, auch die Chancen und Möglichkeiten, Innovationen zu nutzen und mit neuen Methoden „sichtbar“ zu werden, etwa mit der interventionellen Endoskopie, die derzeit im Fokus ist. Auch die Kardiologie und andere Fächer wären spannend gewesen – mit einer gewissen Flexibilität konnte ich mich dann auf ein Thema festlegen, für das alle Rahmenbedingungen gepasst haben.

?Hatten Sie einen Karriereplan oder ergaben sich die Stufen zufällig?

Entscheidungen zu fällen, ist wichtig. Es stellt sich dann schnell heraus, ob sie richtig waren oder nicht, daher bin ich überzeugt, dass Entscheidungsfreude im Zuge einer Karriere essenziell ist. Bei mir war es das Setting der Uniklinik, das mich überzeugt hat. Es gab mir die Möglichkeit, nicht nur gut zu lernen, sondern auch persönlich sichtbar zu werden.
Österreich ist ein kleines Land, aber es hat gute wissenschaftliche Konzepte, mit denen man sich weiterentwickeln kann. Was dabei hilft, ist das Forschen und Lernen mithilfe des richtigen Mentors. Ich habe mich auch an kardiologischen und onkologischen Abteilungen beworben, aber an der Gastroenterologie wusste ich, dass ich hier den für mich passenden Mentor gefunden habe. Eigentlich waren es zwei: Rainer Schöfl, heute am Ordensklinikum Linz, dem ich den Zugang zur interventionellen Endoskopie zu verdanken habe, und Markus Peck-Radosavljevic, heute am Klinikum Klagenfurt, der mir die Hepatologie und im Speziellen die Einschätzung des Schweregrads der Leberzirrhose mittels Kathetertechnik näherbrachte.

?Worum geht es bei dieser Kathetertechnik?
Mit dieser Lebervenendruckmessung kann man den Schweregrad der Leberzirrhose genau einschätzen, auch den Therapieerfolg von Medikamenten. Wir haben dafür einen eigenen Katheter entwickelt, heute ist der Katheter in Österreich und auch international im Einsatz. Man muss an den Erfolg solcher Projekte glauben. Eine gewisse Unterstützung und Anleitung, wie ich sie von Markus Peck-Radosavljevic bekam, ist notwendig, aber machen muss man es dann eben selbst.
Mittlerweile bin ich auch selbst als Mentor aktiv und es macht großen Spaß, der nächsten Generation von Ärzten dabei zuzusehen, wie sie sich entwickeln. Das ist das Schöne daran: gute Mitarbeiter aus dem Schatten ihrer Mentoren treten zu sehen.

?Was halten Sie für die unterschätztesten Erkrankungen in der Gastroenterologie und der Hepatologie?
Eine der spannendsten und vielleicht auch unterschätztesten Thematiken in der Gastroenterologie ist das Mikrobiom. Es hat extrem viel Einfluss auf alle möglichen Prozesse im Körper – Darmgesundheit, Tumorbildung, Diabetes und vieles mehr. Wir benötigen noch viel mehr Information darüber.
In der Hepatologie halte ich die Fettleber und die Fettleberentzündung für ein zentrales Thema, nicht zuletzt auch aufgrund der demografischen Entwicklung, die dazu führt, dass immer mehr Menschen auch in Österreich betroffen sind. In den USA ist die Fettleberzirrhose bereits die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation. Nicht zuletzt entstehen durch diese Erkrankungen auch jede Menge Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislaufprobleme oder Schlaganfälle. Die Endoskopie vermittelt uns dazu ein großes Spektrum an Möglichkeiten, um ohne Schnitt sogar kleine Tumoren zu entfernen und andere Erkrankungen zu therapieren, sodass oft nur mehr eine Nacht im Krankenhaus oder gar kein stationärer Aufenthalt mehr erforderlich ist.

?Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die Zahl der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen steigt und wie begegnet man dieser Entwicklung?
Trotz moderner Therapien steigt die Zahl der CEDs seit Jahren an, was wohl unter anderem auf ein gestörtes Mikrobiom zurückzuführen ist. Wir zollen diesem Trend mit einer Spezialambulanz für CEDs Tribut. Neu ist außerdem eine Ambulanz für Berufstätige, die für „Early Birds“ und am späten Nachmittag bis Abend offensteht. Für chronische Lebererkrankungen bieten wir zudem moderne Untersuchungsmethoden wie den Fibroscan an, der uns erlaubt, in vielen Fällen eine Biopsie zu vermeiden. In der Polypenambulanz werden Darmpolypen endoskopisch abgetragen, die für den niedergelassenen Arzt zu riskant sind, bereits am Tag der Diagnosestelltung durch den niedergelassenen Kollengen. Der Patient braucht daher nicht nochmals extra eine Darmspüllösung zur Vorbereitung einnehmen, was für die Patienten eine geringere Belastung ist und zusätzliche Sicherheit durch das Spital im Hintergrund bedeutet.

?Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf bis zehn Jahren in Ihrem Fachgebiet?
Ich denke, dass es mehr Möglichkeiten geben wird, Krebsvorstufen und gutartige Veränderungen endoskopisch abzutragen – diesbezüglich steht einiges vor der Tür. Was Adipositas anbelangt, glaube ich, dass wir mehr therapeutische Möglichkeiten haben werden, die aus den Informationen über das gestörte Mikrobiom entstehen. Vielleicht wird auch die Manipulation der Darmflorazusammensetzung eine Lösung darstellen. Ich bin gespannt, was passieren wird.

?Welche Rolle können interdisziplinäre Ansätze in Ihrem Fach spielen?

Die Chirurgie ist natürlich ein sehr starker Faktor, speziell bei CED. Boards wie die Tumor Boards bei Krebs gibt es auch für gutartige Veränderungen. Wir arbeiten also ganz selbstverständlich interdisziplinär.

?Was würden Sie sich für die medizinische Ausbildung wünschen?
Vor allem Zeit. Head-to-head Teaching wäre schön. In vielen Häusern werden noch falsche Überlegungen angestellt: Es kostet Geld, in eine gute Ausbildung zu investieren, aber das sind Investitionen in die Zukunft. Die Zusammenarbeit mit anderen Häusern wäre wichtig, die Möglichkeit, andere Fertigkeiten zu erlernen, öfter mal im Ausland zu lernen. Junge Ärzte gehen weg, weil das kaum möglich ist. Ich war selbst in Los Angeles, Philadelphia, Barcelona und Hannover. Diese Möglichkeiten, über den Tellerrand zu schauen, spezielle Fertigkeiten zu erlernen und neue Methoden zu testen, sind essenziell. Die Mobilität junger Ärzte gehört mehr gefördert und gefordert.

?Was würden Sie sich für den Forschungsstandort Österreich wünschen?

Geld und Zeit. Der Braindrain ist für den Forschungsstandort gefährlich. High-end-Forscher wollen ihre Ideen umsetzen und überlegen sich, wo sie mit ihren Ideen schnell Land gewinnen können. Die internationale Konkurrenz ist relevant, aber auch zusätzliche Drittmittel oder die Möglichkeit, bessere Sichtbarkeit zu erzielen. Österreich ist schrecklich bürokratisch. Die Forschung länderübergreifend aneinander zu koppeln, wäre oftmals ein Gewinn für alle Seiten, aber das muss auch unkompliziert und schnell möglich sein, sonst schnappen sich andere Länder diese Kooperationen.

?Welche Pläne haben Sie für Ihre neue Abteilung im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien?
Ich möchte die genannten Schwerpunkte in der Gastroenterologie und der Hepatologie etablieren, also eine starke CED-Ambulanz, die klinische Betreuung, die Berufstätigenambulanz, neue Forschungsschwerpunkte, die Leberambulanz, die Arbeit mit dem Fibroscan, die interventionelle Endoskopie – das sind unsere wichtigsten Themen. Wir möchten vier Sonderfächer in der Inneren Medizin anbieten – Gastroenterologie, Kardiologie, Nephrologie, Internistische Intensivmedizin –, obwohl wir kein sehr großes Haus sind. bw

Tipps für junge Mediziner

  1. Flexibilität: Wo komme ich zu einer Ausbildung, die mich interessiert?
  2. Mentor: Wer, ob Chef oder Oberarzt, ist der richtige Mentor für mich?
  3. Bedarfsanalyse: Wofür interessiere ich mich? Ist das ein Fach mit Zukunft?

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