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Neue Bedürfnisse einer alternden Belegschaft

Die „Strategie Europa 2020“ der Europäischen Kommission sieht vor, die Beschäftigtenquote der 55- bis 64-Jährigen bis 2020 auf 60 Prozent zu heben. Österreich ist mit aktuell 46 Prozent davon weit entfernt. Wirtschaft und Politik sind daher dringend gefordert, altersgerechte Arbeitsplätze zu schaffen.


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Die Sicherung des Pensionssystems ist nur durch die Erhöhung der Lebensarbeitszeit zu erreichen. Der oft schon spürbare Arbeitskräftemangel sorgt zudem dafür, dass Ältere künftig länger arbeiten werden müssen. Ob es gelingt, ältere Menschen länger im Erwerbsleben zu halten, wird letztlich davon abhängen, ob es gelingt, altersgerechte Arbeitsplätze zu schaffen. „Es sollte selbstverständlich sein, Arbeitsplätze auf ihre Tauglichkeit für ältere Mitarbeiter zu überprüfen, wie das auch bei schwangeren Mitarbeiterinnen der Fall ist. Denn, wie das Arbeitsmarktservice darlegt, wächst mit der Verlängerung des Erwerbslebens gleichzeitig auch das Risiko, die Arbeit zu verlieren“, erklärt Dr. Artur Wechselberger, Präsident der Österreichischen Ärztekammer.
So ist der Anteil der ab 50-Jährigen an der Summe der Arbeitslosen von einem knappen Fünftel (18,4 Prozent) im Jahr 2005 auf über ein Viertel (25,6 Prozent) im Vorjahr gestiegen. Dazu kommt, dass ältere Menschen deutlich länger auf Arbeitssuche sind als jüngere. Ein ungewollter und früher Ausstieg aus dem Arbeitsprozess hat nicht nur wirtschaftliche Konsequenzen für die Betroffenen und die Gesellschaft. Der Verlust der geregelten Tagesstruktur und des gewohnten sozialen Umfelds erzeugt oft ein Gefühl des Wert- und Sinnverlustes, der sehr belastend sein kann.
„Es gibt in Österreich viele, teils sehr gute, Einzelmaßnahmen zur Förderung älterer Arbeitnehmer, die nun rasch und flächendeckend umgesetzt werden sollten. Wirtschaft und Politik sind aufgerufen, die dafür erforderlichen Ressourcen bereitzustellen. Viele Unternehmen haben ja bereits erkannt, dass mit dem Wegfall älterer Mitarbeiter auch beachtliches Know-how und ein großes Potenzial an ‚social skills‘ verlorengeht“, so Wechselberger. Langfristig werden Betriebe nicht umhinkommen, die Arbeitsbedingungen so flexibel zu gestalten, dass sie mit den sich ändernden Potenzialen und Bedürfnissen einer alternden Belegschaft mitwachsen.

Arbeitsmediziner helfen

Arbeitsmediziner leisten hier einen wichtigen Beitrag, denn ihre Kernkompetenz ist die Erhaltung und Stärkung von Leistungsfähigkeit und Gesundheit unter Berücksichtigung der persönlichen Voraussetzungen und relevanten Belastungsfaktoren an einem Arbeitsplatz. Das umfasst nicht allein den Schutz vor schädigenden Einflüssen, wie Unfallverhütung oder ergonomische Parameter, sondern besonders auch die psychosozialen Bedingungen.
So können etwa auch organisatorische Prozesse, wie die Schaffung altersgemischter Teams, in denen sich Stärken und Schwächen unterschiedlicher Altersgruppen ausgleichen, begleitet werden. „Der Bedarf an Arbeitsmedizinern wird daher künftig steigen – eine Herausforderung angesichts des herrschenden Ärztemangels“, prognostiziert Wechselberger.
Auch Dr. Karl Hochgatterer, Referent für Arbeitsmedizin der Österreichischen Ärztekammer, betont die zunehmende Bedeutung des Faches: „Eine der wichtigsten Aufgaben des Arbeitsmediziners ist es, bei Arbeitnehmern wie auch bei Arbeitgebern ein Bewusstsein dafür zu vermitteln, dass Arbeit „an sich“ ein wichtiger gesundheitsförderlicher Faktor ist. Dazu gehört auch, aktiv dem Vorurteil der geringeren Leistungsfähigkeit älterer Menschen zu begegnen.“ Teamfähigkeit, Geduld, durchdachtes Entscheiden, Sprachkompetenz oder die Fähigkeit, tragfähige und verlässliche Netzwerke zu pflegen, sind nach Ansicht des Experten wertvolle Assets, die bei älteren Arbeitnehmern deutlich besser ausgeprägt sind. Die seit 2013 vorgeschriebene Evaluation psychischer Belastungen am Arbeitsplatz war ein wichtiger Schritt hin zu mehr Prävention, den auch die Arbeitsmedizin lange gefordert hatte. Für die rund 290.000 heimischen Betriebe mit maximal zehn Mitarbeitern ist eine arbeitsmedizinische Begehung nur mindestens alle zwei Jahre vorgesehen, für Firmen mit bis zu 50 Mitarbeitern mindestens einmal pro Jahr. Arbeitsmediziner sollten aber noch stärker in die Entwicklung alter(n)sgerechter Arbeitsplätze eingebunden werden.

Alter ist individuell

Arbeitsmediziner sind per Definition ganzheitliche Gesundheitsexperten: Ziel der Arbeitsmedizin ist, die physische und psychische Gesundheit bzw. die individuelle Leistungs- und Arbeitsfähigkeit von Menschen bestmöglich zu erhalten und zu fördern. „Nur ein Arzt kann eine fundierte ganzheitliche Differenzialdiagnose stellen. Und nur wenn die Diagnose stimmt, kann der Entstehung bzw. Verschlimmerung von gesundheitlichen Problemen effektiv entgegengewirkt und vorgebeugt werden“, betont Dr. Stefan Koth, Geschäftsführer der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention. Da Altern ein Prozess ist, der individuell sehr unterschiedlich verläuft, muss auf Basis der jeweiligen Leistungsvoraussetzungen jedes einzelnen älteren Mitarbeiters beurteilt werden, welche Aufgaben und Tätigkeiten er (noch) durchführen kann, bzw. welche präventiven Maßnahmen geeignet sind, die Arbeitsfähigkeit möglichst lange aufrechtzuerhalten.
Arbeitsmediziner gibt es in den meisten Betrieben und sollte es eigentlich in allen geben, denn schon 1972 hat der Gesetzgeber die verpflichtende Bestellung von Arbeitsmedizinern erstmals geregelt: Damals waren es große Betriebe mit mehr als 750 Mitarbeitern, die einen Arbeitsmediziner beschäftigen mussten. Seit dem Jahr 2000 ist jedes Unternehmen verpflichtet, einen Arbeitsmediziner zu bestellen. Für Kleinbetriebe bis 50 Mitarbeiter ist dies auch kostenlos über die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) möglich. Derzeit sind bundesweit rund 1.900 Ärzte arbeitsmedizinisch tätig.

Bessere Ausbildung gefragt

Verankert ist die Bestellung von Arbeitsmedizinern im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG, § 79), je nach Mitarbeiterzahl, Tätigkeit und Schwerpunktsetzung durch das Unternehmen, zum Beispiel:

  • Bürobetrieb mit 500 Mitarbeitern: Präventionszeit zwischen 210 und 360 Stunden pro Jahr
  • 1 bis 10 Mitarbeiter: mindestens eine Begehung in zwei Kalenderjahren, betrifft ca. 710.000 Personen
  • 11 bis 50 Mitarbeiter: mindestens eine Begehung pro Kalenderjahr, betrifft ca. 720.000 Personen

Voraussetzung für die Tätigkeit als Arbeitsmediziner ist die Berechtigung zur selbstständigen Ausübung des ärztlichen Berufes (ius practicandi) und eine vom Gesundheitsministerium anerkannte arbeitsmedizinische Ausbildung mit mindestens 390 Unterrichtseinheiten.
Aufgrund der besonderen Anforderungen, die das Umfeld Betrieb an Arbeitsmediziner stellt, ist deren Ausbildung interdisziplinär ausgerichtet: Neben den fachspezifischen medizinischen Kompetenzen werden auch die für die Tätigkeit unbedingt erforderlichen Grundkenntnisse aus den Bereichen Arbeitspsychologie, Recht, Management und Technik vermittelt.
Die Ausbildung zum Arbeitsmediziner erfolgt größtenteils durch die Österreichische Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention (AAMP). Seit dem Jahr 2014 führt die AAMP den Lehrgang in Kooperation mit der Medizinuniversität Graz als Universitätslehrgang durch, der mit dem Titel „Akademisch geprüfte(r) Arbeitsmediziner(in)“ abgeschlossen wird. Damit wurde ein weiterer Schritt im Bemühen um stetige Qualitätsverbesserung gesetzt. rh


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