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Patientennutzen optimieren

Im Rahmen der Jahresgeneralversammlung des Österreichischen Generikaverbandes (OeGV) wurde Dr. Wolfgang Andiel einstimmig und bereits zum zweiten Mal zum Präsidenten gewählt. Sein wichtigstes Ziel: den Stellenwert von Generika zum Vorteil von Patienten weiter zu verbessern.


FOTO: SANDOZ

? Sie sind zum zweiten Mal Präsident des Generikaverbandes, mit einer Pause von neun Jahren. Wenn Sie die beiden Amtsperioden vergleichen, was ist heute anders?
Als ich in meiner ersten Funktionsperiode Präsident des Generikaverbandes war, waren wir ein eher kleiner und wenig sichtbarer Verein. Heute haben wir einen völlig anderen Stellenwert. Ich schließe an die Funktionsperiode meines Vorgängers an, in der sich der Generikaverband zu einer jener freiwilligen Interessensvertretungen entwickelt hat, die Sitz und Stimme in allen wichtigen Gremien haben. Das ist im Zusammenhang mit den Verhandlungen vom Pharma-Rahmenvertrag und den Gesprächen zur Weiterentwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen von besonderer Bedeutung.

? Wo liegen jetzt Ihre Ziele?

Mein Hauptanliegen ist jetzt die Weiterentwicklung des Generikamarktes. Jede zweite Verordnung eines patentfreien Wirkstoffs in Österreich ist ein Generikum – umgekehrt ist jedes zweite Präparat noch immer ein teures Originalpräparat. Die Steigerung des Generikaanteils auf 70 Prozent wäre einfach umzusetzen und ist sinnvoll, da diese Einsparungen zur Finanzierung anderer Leistungen und Therapien verwendet werden können. Von den eindrucksvollen Fortschritten in der Arzneimitteltherapie profitieren alle Patienten, das Gesundheitssystem wird allerdings auch vor schwierige Finanzierungsherausforderungen gestellt. Im Jahr 2016 werden Arzneimittel im Wert von 58 Mio. Euro patentfrei und können als Generika kostengünstiger verordnet werden. Damit kann der Kostendruck auf die Kassen deutlich reduziert werden.
?Wo liegt aus Ihrer Sicht der Grund für das nicht ausgeschöpfte Potenzial?
Ich denke schon in der ärztlichen Verordnung. Es gibt zwar eine Richtlinie zur ökonomischen Verschreibung, es hat aber keine Konsequenzen, wenn sich ein Arzt nicht daran hält. Veränderungen gehen oft zulasten der Patienten, die Adherence sinkt, der Therapieerfolg dann auch. Wir brauchen eine schrittweise Entwicklung und entsprechende Anreize.
Derzeit hat niemand in der Kette einen Vorteil von einem Umstieg: Ärzte haben keinen Vorteil, wenn sie das Tool der ökonomischen Verschreibung nutzen, Apotheker haben eine niedrigere Spanne bei einem Generikum und der Patient bekommt das günstigere Produkt zur gleichen Rezeptgebühr. Warum sollte sich hier also etwas ändern?

? Wo liegen derzeit die größten Herausforderungen für den Markt?
Als Generikaverband wollen wir nicht nur den Verordnungsanteil der Generika erhöhen, sondern uns auch aktiv an der Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen des Erstattungssystems beteiligen und den Zugang zu modernen Therapien sichern helfen. Das gemeinsame Interesse aller Partner im Gesundheitswesen ist der Nutzen für die Patienten. Nur durch einen niedrigen Preis steigt nicht automatisch die Verwendung von Generika. Je mehr Ärzte von der Gleichwertigkeit überzeugt sind, desto eher sind sie bereit, die patentfreien Produkte zu verordnen. Wir brauchen eine Marktdurchdringung, dann geht der Preis automatisch nach unten. Genau genommen funktioniert der Wettbewerb nicht.

? Was wünschen Sie sich für die weitere Entwicklung?

Mein Wunsch wäre, dass wir die Verhandlungen tatsächlich partnerschaftlich führen können, und zwar zum Nutzen der Patienten. Derzeit gibt es ein großes „Wunschkonzert“, aber wenig aktive Umsetzung. Über politische Statements hinausgehende konkrete Vorschläge sehe ich derzeit wenige.

? Was an Ihrer Präsidentenaufgabe macht Ihnen ganz besonders Spaß?
Ich finde es spannend, wie Gesundheitssysteme funktionieren, wie die einzelnen Maßnahmen zusammenspielen und ganz besonders wie es mithilfe von Generika gelingt, Innovationen rasch zum Patienten zu bekommen, ohne sich finanziell zu überheben.

? Wie wichtig ist Ihre Medizinerausbildung für das Präsidentenamt?
Als Mediziner fällt mir natürlich vieles in diesem ökonomischen Umfeld einfacher, etwa die Beurteilung von neuen Produkten. Vielleicht fällt es mir auch leichter, die handelnden Personen besser zu verstehen, also die Bedürfnisse der Ärzte und den Wunsch, den Patienten in den Mittelpunkt zu stellen.

? Angenommen, Sie wären für einen Tag Gesundheitsminister – was würden Sie auf jeden Fall umsetzen wollen?
Den meisten Erfolg hat man vermutlich, wenn Gespräche in vertrauensvoller Atmosphäre geführt werden. Sich über Medien etwas ausrichten zu lassen, finde ich kontraproduktiv. Ich würde vorrangig mit den Landeshauptleuten über ihre Pläne sprechen wollen und eine österreichweite Harmonisierung ansprechen. rh

Zur Person

Dr. Wolfgang Andiel (52) wurde bereits zum zweiten Mal zum Präsidenten des Österreichischen Generikaverbandes (OeGV) gewählt. Er tritt damit die Nachfolge von Bernd Leiter, der sechs Jahre lang das Amt innehatte, an. Andiel war bereits Verbandspräsident (2003 bis 2006) und kann auf 25 Jahre Branchenerfahrung verweisen. Seine Karriere startete der studierte Mediziner bei der Merckle GmbH. Seit 1998 ist Andiel für das Unternehmen Sandoz tätig, derzeit als Leiter des Krankenhausbereiches, Biopharma und Onkologie.

Der Österreichische Generikaverband (OeGV)

Der OEGV wurde im Jahr 2000 gegründet und ist ein Zusammenschluss von Generikaproduzenten und -anbietern, die sich zur optimalen Versorgung der österreichischen Patienten mit hochwertigen Arzneimitteln zu günstigen Preisen bekennen. Aktuell sind folgende Unternehmen Mitglieder: Actavis GmbH, easypharm GmbH, Dermapharm GmbH, Genericon Pharma Ges.m.b.H., G.L. Pharma GmbH, Hexal Pharma GmbH, Interpharm ProduktionsgmbH, ratiopharm Arzneimittel VertriebsGmbH, Sandoz GmbH, S.Med GmbH, STADA Arzneimittel GmbH.


ABTEILUNGSVORSTAND (M/W)

Evangelisches Krankenhaus Wien [zur Ausschreibung]

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ÄRZTLICHE/R LEITER/IN

Reha-Klinik für Seelische Gesundheit und Prävention GmbH [zur Ausschreibung]

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ÄRZTLICHER DIREKTOR/ÄRZTLICHE DIREKTORIN

Klinikum Bad Gleichenberg [zur Ausschreibung]

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FACHÄRZTINNEN/FACHÄRZTE FÜR DERMATOLOGIE, INNERE MEDIZIN

Health Center Vienna Airport [zur Ausschreibung]

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FACHARZT/ASSISTENZARZT (W/M/D) FÜR PSYCHIATRIE UND PSYCHOTHERAPIE

Klinikum Ingolstadt GmbH [zur Ausschreibung]

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