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Viel Wissen und starke Nerven

Im Göttlicher Heiland Krankenhaus arbeitet ein interdisziplinäres Team bestehend aus Angiologen, Radiologen, Gefäßchirurgen und Neurologen im Gefäßzentrum, seit Anfang des Jahres wird die Gefäßchirurgie von Oberärztin Dr. Nina Thurnher geleitet.


„Ein breites anatomisches Wissen und ein starkes Nervenkorsett sind für die Ausübung aller gefäßchirurgischen Eingriffe Grundvoraussetzung.“ OÄ Dr.in Nina Thurnher, Leiterin der Gefäßchirurgie im Göttlicher Heiland Krankenhaus.

Die Wienerin Nina Thurnher ist bereits seit September 2016 Teil des Teams, das sie nunmehr leitet. Nach einer Zwischenstation in Salzburg, wo sie ihre Ausbildung für Gefäßchirurgie absolvierte und die Sonderklasse- und Frauenstation am Salzburger Landesklinikum leitete, kehrte sie zurück nach Wien, wo sie zuvor ihre Facharztausbildung für Chirurgie abgeschlossen hatte. Als Leiterin der Gefäßchirurgie möchte sie die interdisziplinäre Arbeit weiter intensivieren.

?Wie waren die ersten Monate als Leiterin der Gefäßchirurgie im Göttlicher Heiland Krankenhaus?
Da ich bereits seit September 2016 im Team der Gefäßchirurgie des Göttlicher Heiland Krankenhauses beschäftigt und dadurch mit den Strukturen des Hauses bestens vertraut war, gestaltete sich der Übergang zur Leiterin fließend und harmonisch. Es bereitet mir nun große Freude, mich den neuen Herausforderungen zu stellen und gemeinsam mit meinem Team maßgeblich beim Ausbau des interdisziplinären Gefäßzentrums aktiv mitwirken zu können.

?Wie kam es, dass Sie sich für Medizin und im Speziellen für die Gefäßchirurgie entschieden haben?
Mein Vater war Arzt und dadurch gab es für mich schon früh Berührungspunkte mit der Medizin. Ich spürte bald die Faszination, die viele medizinische Themen auf mich hatten. Also war es schon in meiner Jugendzeit für mich klar, dass ich Medizin studieren möchte und mich für die chirurgische Laufbahn entscheiden werde. Das Interesse für das hochspezialisierte Fach der Gefäßchirurgie erwachte bereits während meiner Ausbildung zur Allgemeinchirurgin am AKH Wien. Als sich dann einige Jahre später für mich die Möglichkeit bot, diese Zusatzausbildung am Universitätsklinikum Salzburg zu absolvieren, ergriff ich ohne zu zögern diese Chance.

?Was ist das Besondere und Faszinierende an der Gefäßchirurgie?
Moderne Gefäßchirurgie ist ein höchst attraktives und vielseitiges Fachgebiet aufgrund der breiten diagnostischen, interventionellen und operativen Möglichkeiten. Das Spektrum reicht von minimal-invasiven Entfernungen von Krampfadern an den Beinen, dem Setzen von Gefäßzugängen (Port, Permkath) bis zur offenen Chirurgie an den Arterien von Kopf (Carotischirurgie) bis Fuß (peripherer Bypass).
Das technisch exakte Nähen, auch sehr kleiner Arterien mithilfe einer Lupenbrille ist Standard. Weiters zählt auch die Notfallbehandlung von lebensbedrohlichen Aneurysmen, vor allem der Hauptschlagader, zum Aufgabengebiet der Gefäßchirurgie. In den letzten Jahren haben zunehmend innovative, endovaskuläre, minimal-invasive Techniken (Ballondehnung, Stents, Stentgrafts) das klassische Behandlungskonzept der Gefäßchirurgie erweitert. Zu unserem Fachgebiet zählt auch, bei fortgeschrittenem Gefäßleiden, die Amputation von Zehen oder Gliedmaßen. Ein breites anatomisches Wissen und ein starkes Nervenkorsett sind für die Ausübung aller dieser Eingriffe Grundvoraussetzung.

?Hatten Sie einen Karriereplan?

Einen Karriereplan im eigentlichen Sinn hatte ich nicht. Ich habe mir jedoch schon früh in meinem beruflichen Werdegang immer wieder neue Ziele gesetzt und diese auch konsequent verfolgt. Darüber hinaus hatte ich das Glück, bei hervorragenden Chirurgen, die meine Vorbilder und später auch meine Förderer waren, lernen zu dürfen. Letztlich jedoch ist vieles auf dem Karriereweg nicht vorhersehbar. Es ist daher immer wichtig, flexibel und offen für Neues zu bleiben und sich Herausforderungen zu stellen.

?Sind Sie im Laufe Ihrer Karriere jemals an die viel zitierte gläserne Decke gestoßen und wenn ja, wie gingen Sie damit um?
Ich persönlich bin selbst nie an die gläserne Decke gestoßen und konnte stets alle Ziele, die ich mir gesteckt habe, erreichen. Aber es bleibt unumstritten ein Faktum, dass viele qualifizierte Frauen auf diese unsichtbare Barriere im Laufe ihrer Karriere stoßen. Ein wesentlicher Punkt ist sicherlich auch die viel zitierte vermeintliche Unvereinbarkeit von Karriere und Familie. Es erscheint mir essenziell, dass bereits junge Ärztinnen ermutigt werden, ihre Möglichkeiten und Talente auszuschöpfen und ihre Ziele zu verfolgen. Des Weiteren sollten Frauen in Führungspositionen eine Vorbildfunktion für heranwachsende Medizinerinnen übernehmen.

?Ist es für Frauen in einem „männlichen“ Fach wie der Chirurgie nach wie vor schwieriger als für Männer?

Die Chirurgie ist nach wie vor ein von Männern dominiertes Fach, vor allem in der Führungsebene. Aus eigener Erfahrung ist besonders der Einstieg in diese Domäne von vielen Vorurteilen und Klischees geprägt und damit mit einigen Hürden und Hindernissen verbunden. Es ist notwendig zu beweisen, dass man auch als Frau über die für die Ausübung des chirurgischen Berufes erforderliche körperliche und mentale Fitness und über ein hohes Maß an Durchhalte- und Durchsetzungsvermögen verfügt. Hinzu kommt, dass auch für so manchen – vor allem älteren – Patienten eine Frau als Operateurin oftmals gewöhnungsbedürftig ist.

?Welche Pläne haben Sie für die nächsten Jahre?

In Zukunft soll der gute Ruf des Fachschwerpunktes Gefäßmedizin im Göttlicher Heiland Krankenhaus weiter ausgebaut und Patienten sowie Zuweiser von der Qualität überzeugt werden. Hierfür wird vor allem die interdisziplinäre bereichsübergreifende Zusammenarbeit der Gefäßchirurgen mit interventionellen Radiologen, Angiologen sowie Neurologen und Anästhesisten intensiviert werden. Auch Kooperationen mit anderen Häusern des Wiener Gesundheitswesens werden weiter ausgebaut.

?Was halten Sie für unterschätzte Themen Ihres Fachbereiches?

Der Prävention von Gefäßerkrankungen, die nach wie vor Todesursache Nummer eins in Österreich sind, sollte von der Politik vermehrt Augenmerk geschenkt werden. Die Bekämpfung und das Management vaskulärer Risikofaktoren und Begleiterkrankungen müssen wichtige Eckpfeiler in der Therapie darstellen. Zusätzlich ist eine evidenzbasierte konsequente multimodale Pharmakotherapie das Um und Auf einer Chance für eine bessere Lebenserwartung dieser Patienten.
Die Problematik des Nikotinkonsums sollte, wie in amerikanischen Guidelines empfohlen, bei jeder Visite erörtert werden und Betroffene bei der Raucherentwöhnung aktiv unterstützt werden.

?Was würden Sie sich für die Gefäßchirurgie in Österreich wünschen?
Die Gefäßchirurgie gehört klassischerweise zu den Fächern, die ein besonderes Engagement, Fertigkeiten und Ausdauer erfordern. Deshalb ist die Zahl an qualifizierten Ärzten in diesem Gebiet in Österreich überschaubar und die Zahl an offenen Arbeitsstellen nimmt leider jährlich zu. Es wäre wünschenswert, dass die Leistungen, die unser Fachgebiet täglich erbringt, entsprechend gewürdigt werden und somit auch vermehrt Kollegen dafür begeistert werden.

?Warum sollte sich ein junger Mediziner ausgerechnet für die Gefäßchirurgie entscheiden?

Gefäßchirurgie ist ein zukunftsorientierter Schwerpunkt innerhalb der Chirurgie mit vielen Möglichkeiten und einem breiten Behandlungsspektrum, das hochpräzise, meist mikrochirurgische Eingriffe, Hybrideingriffe und endovaskuläre Therapien umfasst. Die Arbeit als Gefäßchirurgin ist sehr anspruchsvoll und abwechslungsreich. Darüber hinaus ist nicht zu vernachlässigen, dass der demografische Wandel unserer Gesellschaft einerseits einen Rückgang an Fachärzten, andererseits eine überproportionale Zunahme an Folgeerkrankungen der Arteriosklerose und damit eine ständig steigende Anzahl gefäßkranker Patienten verursacht. bw

Göttlicher Heiland Krankenhaus

Spezialisiert auf Gefäßmedizin, Herzerkrankungen, Neurologie und Chirurgie, insbesondere für ältere Menschen
Das Göttlicher Heiland Krankenhaus Wien, ein Unternehmen der Vinzenz Gruppe, ist auf Gefäßmedizin, Herzerkrankungen, Neurologie und Chirurgie, insbesondere für ältere Menschen spezialisiert. Neben der Gefäßmedizin (Gefäßzentrum) und Kardiologie ist ein weiterer Schwerpunkt die Behandlung von neurologischen Erkrankungen, insbesondere Schlaganfall (Stroke Unit), neurologischer Schmerz und (Alters-)Epilepsie. Die Chirurgie bzw. die operativen Fächer bieten mit rund 6.000 Eingriffen pro Jahr eine umfassende Versorgung sowie viele Spezialisierungen inklusive Gefäßchirurgie und Adipositas-
Zentrum. www.khgh.at


ABTEILUNGSVORSTAND (M/W)

Evangelisches Krankenhaus Wien [zur Ausschreibung]

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FACHÄRZTIN BZW. FACHARZT FÜR ANÄSTHESIOLOGIE UND INTENSIVMEDIZIN

AUVA Landesstelle Graz [zur Ausschreibung]

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LEITENDER ARZT FÜR INNERE MEDIZIN, RHEUMATOLOGIE, PHYSIKALISCHE MEDIZIN

Züricher RehaZentrum Wald [zur Ausschreibung]

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ÄRZTIN/ARZT FÜR ALLGEMEINMEDIZIN BZW. FACHÄRZTIN/FACHARZT 

Vivea Gesundheitshotels [zur Ausschreibung]

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LEITENDE/N ÄRZTIN/ARZT 100%

Spitalzentrum Oberwalls [zur Ausschreibung]

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ÄRZTINNEN/ÄRZTE FÜR ALLGEMEINMEDIZIN BZW. INTERNISTINNEN/INTERNISTEN

kfa / Sanatorium Hera [zur Ausschreibung]

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Kooperationspartner